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Aufregung um Günther Jauch: Buhmann Maschmeyer beim "RTL-Quizonkel"

Aufregung um Günther Jauch : Buhmann Maschmeyer beim "RTL-Quizonkel"

Schon vor der Ausstrahlung sorgt der Talk von Günther Jauch für Aufregung. NDR-Reporter ärgern sich über die Gästeliste: Zum Thema "Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?" hatte Jauch ausgerechnet Carsten Maschmeyer eingeladen.

Der wegen seiner Finanzpraktiken umstrittene Manager war definitiv der spannendste Gast in der sonntäglichen Runde bei Jauch. Neben üblichen Kandidaten wie dem frisch gekürten FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle, Sahra Wagenknecht (Linke) oder Thomas Minder, Gründer der Schweizer Volksinitiative gegen Gehaltsexzesse, stach Maschmeyer wegen seiner Biographie heraus.

Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD ist eigentlich eine in der Öffentlichkeit verbrannte Figur: Er soll Kunden geprellt und seine Millionen auf ihre Kosten gemacht haben. Dennoch platzierte er sich bei Jauch auf den Talk-Sessel. Offenkundig, weil er noch daran glaubt, sein Image irgendwie korrigieren zu können.

Kritiker und Bühne in einem

Beim NDR hatte die Einladung Maschmeyers schon frühzeitig hohe Wellen geschlagen. Wie Spiegel Online berichtete, reagierte man vor allem beim NDR vergrätzt. Denn der hatte noch vor knapp zwei Jahren eine Dokumentation ausgestrahlt, die Maschmeyer frontal als Abzocker angriff. Titel der Sendung: "Der Drückerkönig und die Politik". Maschmeyer ging gerichtlich dagegen vor.

Der frühere NDR-Chefreporter Christoph Lütgert kann vor diesem Hintergrund nicht verstehen, warum Jauch nun Maschmeyer auf seiner Couch eine Bühne bietet. "Natürlich ärgert mich das, denn gerade wir im NDR hatten Maschmeyer entlarvt - als großen Abzocker, der viele Millionen Euro mit dem Unglück Tausender Menschen gemacht hat", sagte Lütgert Spiegel Online.

Auch Jauch bekommt Lütgerts Ärger zu spüren. "Dass der RTL-Quizonkel Günther Jauch wochentags die ARD-Quote zerschießt und am Sonntag als ARD-Dampfplauderer unsere Glaubwürdigkeit beschädigen darf, finde ich schwer erträglich", so Lütgert.

Unangenehme Fragen

Der NDR hielt dagegen. Jauch wolle Maschmeyer kritisch in die Mangel nehmen.

Tatsächlich musste sich Maschmeyer am Sonntagabend unangenehme Fragen von Jauch gefallen lassen. Und das nicht, weil er sich gegen eine gesetzliche Deckelung von Managergehältern ausspricht. Damit befand sich Maschmeyer in einer Reihe mit Liberalen wie Rainer Brüderle.

Jauch erlaubte sich vielmehr einen Exkurs über dubiose Geschäftspraktiken und Moral beim Maschmeyer-Unternehmen AWD. Der Moderator konfrontierte den Manager mit den Vorwürfen der Vergangenheit, verwies auf geprellte Kleinanleger, sprach von bewusster Falschberatung. Ob Maschmeyer nicht Tausende Anleger entschädigen müsste?

Maschmeyer lässt das abperlen

Umgehend zeigt sich: Der Manager hat eine Routine im Umgang mit solchen Vorwürfen entwickelt. "Nur ein Prozent der Prognosen wurde nicht eingehalten", verteidigte sich der AWD-Gründer. Er vermag keine eigenen Versäumnisse erkennen und macht stattdessen die Fondsgesellschaften verantwortlich. AWD ist aus seinen Augen nur ein Mittler gewesen. "Wenn ein Auto fehlerhaft ist, macht man ja auch nicht den Verkäufer sondern den Hersteller haftbar", so Maschmeyer.

Nur als Wagenknecht ihn auffordert, einen Teil seines durch AWD gewonnenen Vermögens in einen Fonds zu geben, mit dessen Hilfe Anleger entschädigt werden können. Maschmeyer laviert. Er habe bei seinem Ausstieg vor sechs Jahren eine saubere Bilanz hinterlassen. Buhrufe im Publikum.

Unterm Strich aber: Nichts Neues im Ärger um die AWD.

Wenig überraschend verlief auch die Diskussion um das eigentliche Thema bei Jauch. Lediglich die Linke Sahra Wagenknecht forderte, Managergehälter auf das maximal 20-fache des normalen Arbeitereinkommens zu begrenzen. Brüderle sprach sich hingegen in aller Deutlichkeit gegen eine gesetzliche Deckelung aus und verwies auf das Vorbild der Schweizer Volksinitiative gegen exzessive Gehälter. Dort nämlich entscheidet nicht das Gesetz über Limits für Manager, sondern die Aktionäre als Eigentümer des Unternehmens.

Interessante Aspekte lieferte das Thema weniger beim Blick auf die Manager, sondern vielmehr im Hinblick auf die Gehälter von Sympathieträgern und Idolen wie sie auf der Leinwand oder dem Fußballplatz zu finden sind. Die Schlusspointe blieb insofern ausgerechnet Maschmeyer vorbehalten. Der nämlich teilte nicht ohne Süffisanz gegen Moderator Günther Jauch aus: Wo man denn hinkäme, wenn Gebührenzahler über dessen Gehalt abstimmen sollten.

(pst)