Bremer Tatort Blut: Lürsen und Stedefreund jagen Vampire

„Tatort“ am Sonntag : Bremer Kommissare jagen Vampire

Im Halloween-„Tatort“ hampeln Vampire durch die Hansestadt. Das ist spannender und gruseliger, als man denkt.

Wer schon einmal aus Versehen einen Horrorfilm gesehen hat, weiß, was passiert, wenn die junge Frau nach der Party die Abkürzung durch den dunklen Wald nimmt. Und so liegt auch im neuen Fall aus Bremen nach kurzer Zeit eine Leiche im Wald – passend zu Halloween mit einer tödlichen Bisswunde am Hals. Eine geschockte Augenzeugin stammelt immer wieder nur ein Wort: „Vampir, Vampir, Vampir“.

Die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln schnell eine Verdächtige. Nora (Lilith Stangenberg) wird von Bekannten nur „die Irre“ genannt und soll dem Opfer wie eine Stalkerin nachgestellt haben. Nora ist recht blass im Gesicht, geht tagsüber selten vor die Tür und macht auch sonst einen eher okkulten Eindruck. Zuhause pflegt sie ihren kranken Vater (Cornelius Obanya), der im Verlauf des Falls ebenfalls ins Visier der Ermittler gerät.

Wie schon in den vergangenen Fällen aus Bremen ist es am nervlich chronisch labilen Stedefreund, schnell an eine Blutsauger-Geschichte zu glauben. Als er von der Verdächtigen dann auch noch in den Hals gebissen wird und ein seltsames Fieber entwickelt, nimmt der Halloween-Fall seinen Lauf. Lürsen, die in ihrer sachlichen, mütterlichen Art den jungen Kollegen beruhigen will, hat da schon lange keine Chance mehr.

Den Autoren Philip Koch und Holger Joos ist es hoch anzurechnen, dass der Fall „Blut“ trotz des potentiell klamaukigen Themas nicht ins Alberne abdriftet. Meist zur rechten Zeit gibt es einen lockeren Spruch oder ein Augenzwinkern, um deutlich zu machen, dass sich der Film selbst nicht zu ernst nimmt. Amüsant ist zum Beispiel der Auftritt des Germanisten Syberberg (Stephan Bissmeier), der den Ermittlern als moderner van Helsing seine Dienste anbietet. Gruseln kann sich der Zuschauer trotz dieser Auflockerungen sehr gut. Die meisten Szenen spielen nachts, in düsteren Häusern und auf finsteren, menschenleeren Straßen. Das ist toll gemacht und sieht gut aus. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch Lilith Stangenberg als vermeintliche Vampirin Nora. Das private Schicksal der Verdächtigen bewegt den Zuschauer trotz der blutigen Beißerei. Autor Koch, der auch Regie führte, erklärte, es gehe ihm darum, „die Angst vor dem Unbekannten, dem Nicht-Sichtbaren, vor dem, was buchstäblich im Schatten liegt“, zu zeigen. Dies ist ihm über weite Strecken gut gelungen.

Für die Ermittler Lürsen und Stedefreund ist es der vorletzte Fall. Für Postel bedeutet dies den Abschied vom „Tatort“ nach 22 Jahren im Dienst. Der letzte „Tatort“ („Wo ist nur mein Schatz geblieben?“) ist fürs erste Halbjahr 2019 geplant. Spätestens dann wird man auch sehen, ob Stedefreund nach dem Biss mit gesundheitlichen Spätfolgen leben muss. Unser Verdacht: eher nicht.

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