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„Böhmi brutzelt“ mit Jan Böhmermann und Rapper Xatar - TV Kritik

TV-Kritik zu „Böhmi brutzelt“ : Roulade kontra Köfte

Da prallten Welten aufeinander: Jan Böhmermann lud sich für die erste Folge seiner Kochshow „Böhmi brutzelt“ Rapper Xatar ein. Auf der einen Seite ein Polizistensohn, auf der anderen ein vorbestrafter Ex-Häftling – Rinderrouladen gegen Köfte.

Am Samstag, 24. Juli, wird die erste Folge von „Böhmi Brutzelt“ im Fernsehen ausgestrahlt. In der Mediathek ist die Show schon verfügbar und wir haben sie uns vorab angeschaut. Viel war über die Kochsendung nicht bekannt, nur, dass sie ohne gelernte Köche auskommen muss. Am Ende überraschte das hohe kulinarische Niveau, hatte Böhmermann doch zuvor vollmundig angekündigt, seine Sendung werde sowohl Freunde als auch Feinde von Kochshows zur Weißglut bringen.

Noch bevor die eigentliche Sendung beginnt, kündigt Böhmermann seinen Gast als „gelegentlichen Berufskriminellen“ an. Man durfte also gespannt sein, wie der Entertainer das Thema zur Sprache bringen will. Den ersten Versuch Böhmermanns, Xatar auf seine kriminelle Vergangenheit anzusprechen, blockt der Rapper mit „Jetzt kommt der Kreuzkümmel“ ab. Der zweite Anlauf gelingt: „Man wägt ab, man schaut, wie lange andere es geschafft haben. Das ist ein sehr dummes Denken, am Ende lohnt es sicht nicht“, sagt Xatar.

  • Der Gast Xatar, mit bürgerlichem Namen Giwar Hajabi, 39 Jahre alt, ist im Iran geborener Kurde. Hierzulande machte er unter anderem durch einen längeren Gefängnisaufenthalt nach einem Überfall auf einen Goldtransport im Jahr 2009 auf sich aufmerksam. Im Zuge der Flucht saß er einige Monate in einem irakischen Gefängnis. Zwei Jahre zuvor hatte er das Musik-Label „Alles oder Nix Records“ gegründet, unter dem er erfolgreich eigene Alben veröffentlicht, aber auch andere Musiker unter Vertrag hat. Im vergangenen Jahr stieg er zudem in die Gastronomie ein.

Im Small-Talk zwischen Petersilie und Lorbeer wird Xatar sichtlich lockerer, erzählt davon, wie das SEK immer wieder die Wohnung gestürmt habe. „Irgendwann hat meine Mutter dann gleich an der Tür gesagt: ,Ich hab schon mal Tee bereitgestellt’.“ Der 39-Jährige scheint nicht verbittert zu sein, berichtet stattdessen, dass das Gefängnisessen so grauenhaft sei, dass sogar Obdachlose es ablehnten, „außer du bist in Süddeutschland, da ist das Essen unfassbar gut.“

  • Das Essen In der ersten Folge hat sich Jan Böhmermann für Rinderrouladen mit Rosenkohl und Kartoffeln entschieden. Rapper Xatar bereitet Köfte-Spieße nach einem Rezept seiner Mutter zu. In weiser Voraussicht hat Böhmermann das Rezept seiner Rouladen etwas abgewandelt: Schweinespeck und -hack fliegen raus und werden durch Rinderhack ersetzt.

Xatar und Böhmermann wissen, was sie tun. Böhmermann brät seine Rouladen ganz klassisch an, Röstgemüse dazu, mit Rotwein abgelöscht. Der Rosenkohl wird kurz vor dem Anrichten nochmal durchgeschwenkt. Das entgeht auch Xatar nicht: „Du kannst gut kochen, wa?“, sagt er mit vor der Brust verschränkten Armen.

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Doch auch Xatars Köfte müssen sich nicht verstecken. Die Spieße, die aus gehacktem Lamm, Zwiebeln, Kreuzkümmel und Petersilie am Ende neben Kirschtomaten auf dem Grill liegen, machen wirklich Appetit. Man wünscht sich in dem Moment ein Geruchsfernsehen, wenn das Fleisch so vor sich hinbrutzelt. Für das Lavash-Brot hat Xatar einen Trick auf Lager: Er besprenkelt den Fladen mit etwas Wasser und legt ihn dann einfach mit der feuchten Seite für ein, zwei Minuten auf den Grill. Danach ist das Brot wieder knusprig, ohne verbrannt zu sein.

  • Das Format Entertainer Jan Böhmermann kocht und plaudert eine halbe Stunde lang mit jeweils einem Gast. Beide kochen ein Gericht ihrer Wahl. Ausgestrahlt werden die sechs Folgen auf ZDFneo, samstags um 19.45 Uhr, die aktuell erste Folge dementsprechend am 24. Juli. In der Mediathek sind die Folgen bereits einen Tag zuvor ab 10 Uhr morgens verfügbar.

Fazit und Vorschau Die 30 Minuten sind genau richtig portioniert, um im Gastro-Jargon zu bleiben. Böhmermann liefert eine gelungene Mischung aus alltagstauglicher Kochkunst und lockerer Plauderei mit einem Menschen, dessen Leben nicht der Norm entspricht. Einerseits wünscht man sich mehr davon. Andererseits würde es dann vermutlich nicht mehr so ungezwungen wirken. Für die noch folgenden fünf Sendungen haben sich Motsi Mabuse, Riccardo Simonetti, Mai Thi Nguyen-Kim, Aminata Belli und Igor Levit angekündigt.