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Bachelorette-Finale 2020: So macht Kuppel-TV keinen Spaß mehr!

Fazit zu „Die Bachelorette“ : So macht Kuppel-TV keinen Spaß mehr

„Die Bachelorette“ 2020 ist vorbei – und die Tauglichkeit der Show als Kuppel-Format damit endgültig auch. Nicht nur die aktuelle Staffel, sondern sämtliche Ausgaben von „Die Bachelorette“ und „Der Bachelor“ enttäuschen mittlerweile nur noch.

Was waren „Die Bachelorette“ und „Der Bachelor“ mal schön. Als es noch TV-Formate waren, die den Status „Kuppel-Show“ tatsächlich verdienten. Es gab unterhaltsame, authentische Kandidaten, mit teils echtem Interesse an den Hauptpersonen. Es gab Finale, in denen man nicht wusste, welcher der sympathischen Teilnehmer höher in der Gunst steht und wer die letzte Rose bekommt. Es gab lustige und herzerwärmende Momente. Es gab so etwas wie Liebe.

Schon damals gab sich freilich niemand der Illusion hin, dass am Ende die eine, wahre Liebe rauskommen würde. Aber es war wenigstens ein bisschen Glück, das da über den Fernseher flimmerte – selbst wenn es im Anschluss in der realen Welt dann doch nur für ein paar Monate hielt. Und heute? Alles vorbei.

Bachelorette Melissa lässt erst sieben Wochen lang einen Kandidaten weiter, der sie toxisch manipuliert. Und als sie ihn rauswirft, und der Zuschauer denkt, dass sie plötzlich doch an einer ernsthaften Beziehung interessiert ist, entscheidet sie sich im Finale nicht für den offenherzigen Österreicher Daniel, sondern nimmt den schmierigen Selfpromoter Leander, einen Kumpel ihres Ex-Freundes. Da ist das Ende schon vorprogrammiert.

Getoppt wurde das 2020 nur durch Bachelor Sebastian Preuss, der es Anfang des Jahres als erster RTL-Junggeselle schaffte, gleich beide Finalistinnen ohne Rose nach Hause zu schicken.

Doch diese Entscheidungen sind nicht der einzige Grund, warum die RTL-Kuppelformate mittlerweile nur noch enttäuschen. Die Kandidaten sowie Bachelorettes und Bachelors schläfern die Zuschauer (und übrigens auch sich selbst) förmlich ein mit ihren nichtssagenden Dialogen übers Kennenlernen und Pseudo-Gefühle. Die einen sind für gratis Urlaub da, die anderen nur, um berühmt zu werden. Nicht umsonst hauen die Teilnehmer schon vor der Show, ohne die Hauptakteure zu kennen oder jemals gesehen zu haben, Sprüche wie diesen raus: „Wenn ich da mitmache, gewinne ich auch.“ Die Bachelor-Formate sind inzwischen nichts mehr weiter als eine Nachwuchsakademie für Promis unter Palmen, Dschungelcamp und Co. Schade, dass die einstige Love-Show zu einem reinen Sprungbrett für TV-Resterampen-Promis verkommen ist.

Noch schlimmer sind aber die Fremdschäm-Momente, die immer mehr Sendezeit dazu gewinnen. Klar, ganz ohne Lacher über diesen oder jenen merkwürdigen Kandidaten geht es auch nicht. Aber wir sind hier doch nicht beim Casting von „Deutschland sucht den Superstar“. Es muss sich nicht jeder auf absurdeste Weise daneben benehmen. Wenigstens ein bisschen Weizen zwischen all der Spreu wäre auch ganz nett. Aber nein: Statt Glückseligkeit regiert Fremdscham.

Der klassische Bachelor-Zuschauer definiert sich aber nicht über reine Schadenfreude. Auch Trash-TV-Liebhaber haben ein Herz, das zumindest zum Schein ein bisschen geknuddelt werden will. Doch das Format enttäuscht seine treuen Fans in dieser Hinsicht. So macht Kuppel-TV keinen Spaß mehr.