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"Bachelorette" 2020: Erster Kuss, viele Rauswürfe - Melissa macht endlich ernst

Neue „Bachelorette“-Folge : Erster Kuss, viele Rauswürfe - Melissa macht endlich ernst

Endlich gibt es bei der RTL-Kuppelshow den ersten Kuss. Weitere Highlights in der neuesten Folge? Fehlanzeige. Aber die Show offenbart auch in dieser Episode einiges. Über die Kandidaten, Melissa und die Rollenverteilung.

Vorspann, Date, Date, Rose, Rose, Rose, Rose, Schluss. Das war Folge 5 von „Die Bachelorette“ 2020. Danke, weitermachen. Man sollte meinen, dass die verbliebenen acht bindungsfreudigen Singles plus Henne im Korb auf Kreta mal auf die Kacke hauen. Schließlich sind sie doch abgeschottet vom Rest der Welt, in der gerade eine Pandemie tobt, die das gesellschaftliche Leben, wie wir es bisher kannten, unmöglich macht. Also trinkt, tanzt, tobt, lebt eurer Leben, möchte man in den Bildschirm schreien, bevor man fünf Minuten später vor gelangweilter Anstrengung wegnickt und pünktlich zum Abspann wieder hochschreckt. Nein keine Sorge, nichts verpasst.

Also hier die Zusammenfassung: Das Überthema dieser fünften Folge lautet „der erste Kuss“, denn zumindest einen kleinen „Oho“-Moment hat es gegeben. doch bevor es zum bislang Äußersten der diesjährigen Staffel kommt, dürfen die Männer erst einmal zeigen, ob sie Vaterqualitäten besitzen. Den Anwärtern beim Puppen pudern und wickeln zuzuschauen bleibt der humorige Höhepunkt der Folge - schließlich ist die Königsdisziplin des deutschen Humors „Männer sind so und Frauen sind so“-Witze - Mario Barths Vermächtnis. Frauen können nicht einparken und Männer keine Babyhintern pudern. Fertig ist der Witz.

Apropos Einparken: Auch hier orientiert sich die Bachelorette Melissa zuverlässig an den feststehenden Regeln für Geschlechterrollen. Regel Nummer 1 lautet: Frauen können zwar Auto fahren, aber wenn ein Mann da, sind diesem die Schlüssel fürs Gefährt zu übergeben. Melissa hält sich da vorbildlich dran. Fährt brav mit wahlweise Oldtimer oder Geländewagen vor und überreicht die Schlüssel dann aber feierlich an ihren Auserwählten, damit dieser ab sofort das Lenkrad in der Hand hat, ist schließlich nichts männlicher als ein Mann hinterm Steuer, der bestimmt wo es langgeht und der einhändig fährt, versteht sich. Damit er locker-lässig die andere Hand auf dem Oberschenkel seiner Beifahrerin platzieren kann. Ioannis aus Viersen hat das sofort verstanden. Und noch mehr versteht er es, sein Objekt der Begierde mit halbseidenen Zuneigungsbekundungen einzulullen. Sogar einen Kosenamen gibt’s schon: „Tiger“. Melissa findet ihren neuen Namen nicht so gut, gekuschelt wird trotzdem. „Gefällt es dir?“, frag Ioannis. „Ich spüre das.“ Und dann spürt er tatsächlich auch, dass es Zeit ist, zu küssen. Das beschert ihm das erste Übernachtungsdate dieser Staffel.

Die Hinterbliebenen in der Männer-Villa grillen unterdessen und sind sich einig, dass sie das irgendwie gar nicht mal gut finden. Da hilft es auch nicht, dass Ioannis am nächsten Morgen partout nicht verraten will, was da genau alles gelaufen ist. „Ich feiere mich, ich feiere innerlich, aber ich bin keiner, muss das jetzt niemandem unter die Nase reiben“, sagt er und sorgt für miese Laune, die bis in die Nacht der Rosen hineinstrahlt. Beim gemeinsamen Abendessen herrscht unangenehmes Schweigen, dass durch diverse Versuche ein Gesprächsthema zu finden nur noch unangenehmer wird. Man ist versucht als Zuschauer mal kurz ein paar Sender weiter zu zappen, auf RTL II laufen „Die Wollnys“ , die vielleicht weniger Fremdscham erzeugen könnten. Es folgen ein paar Einzelgespräche, jeder Kandidat sagt brav aber unglaubwürdig sein Sprüchlein, wie schade es doch wäre, jetzt gehen zu müssen, kurz vor dem Homedates. Und am Ende halten folgende vier Männer eine Rose in der Hand und dürfen Melissa in der nächsten Folge ihren Eltern vorstellen:

  • Ioannis
  • Leander
  • Daniel H.
  • Moritz

Was bleibt, ist die Erkenntnis, gut zwei Stunden Abfall geschaut zu haben und noch nicht einmal am nächsten Tag im Büro darüber reden zu können, weil absolut nichts passiert ist. Und weil es eben so langweilig war, treten andere Aspekte der Show umso klarer in den Vordergrund: das Format lebt von sexistischen Rollenklischees. Ja, das war schon immer so, aber man hat bisher um des Entertainment willens (und mit schlechtem Gewissen) darüber hinweggesehen. Nur geht das leider in dieser Staffel nicht. Auch weil die Bachelorette höchstpersönlich das komischste Verständnis von Dating hat: Ioannis wolle die 100-Prozent-Melissa, analysiert sie. „Aber wenn ich jetzt schon 100 Prozent von mir gebe, wer sagt mir, dass er dann überhaupt noch Interesse hat?“ Hm, clever, sei du selbst, aber auch nur ein kleines bisschen. Man kauft schließlich immer die Katze im Sack – so lautet doch das alte Sprichwort?! Bitte nicht nachmachen.