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Axel Springer AG übernimmt N24 und schafft den zweitgrößten Newsroom in Berlin

Berlin : Zweitgrößter Newsroom in Berlin

Der Springer-Konzern übernimmt den Sender N 24. Stefan Aust wird Herausgeber der "Welt"-Gruppe.

Der Medienkonzern Axel Springer ("Bild") steigt ins TV-Geschäft ein: Mehr als acht Jahre nach der gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 kauft Springer den Nachrichtensender N24, um sein Internet-Angebot mit TV-Bildern zu ergänzen. Der Sender soll mit der "Welt"-Gruppe "das führende multimediale Nachrichtenunternehmen für Qualitätsjournalismus" etablieren, teilte der Konzern in Berlin mit. Stefan Aust, N24-Miteigentümer und Ex-"Spiegel"-Chefredakteur, wird zum 1. Januar Herausgeber der "Welt"-Gruppe.

Die Redaktionen der "Welt"-Gruppe und N24 sollen in einer Multimedia-Redaktion zusammenarbeiten und die Inhalte für alle digitalen Kanäle sowie für die Printprodukte der "Welt"-Gruppe produzieren. Die TV- und Programmredaktion soll für N24 alle TV-Formate und Bewegtbilder für die Digitalangebote erstellen. Damit entstehe eine der größten multimedialen Redaktionen in Deutschland. Im gemeinsamen Newsroom in Berlin arbeiten 120 Redakteure auf rund 1000 Quadratmetern. Größer ist nur der Newsroom der Deutschen Presse-Agentur: Dort werden auf etwa 2200 Quadratmetern 300 Arbeitsplätze geboten.

Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Das Geschäft muss noch kartell- und medienrechtlich genehmigt werden. 2006 war Springer bei der Übernahme von ProSiebenSat.1 am Veto des Kartellamts gescheitert. Mit Springer könne der Sender N 24 seine Zukunft sichern, erklärte Geschäftsführer Torsten Rossmann. Aust und Rossmann sind mit je 26 Prozent die Hauptgesellschafter des Nachrichtensenders. Thomas Schmid bleibt bis zum 30. Juni 2014 ebenfalls Herausgeber der "Welt"-Gruppe. Er entwickelt zurzeit ein Online-Magazin, das im Frühjahr 2014 erscheinen soll.

Der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Aust hatte 2010 zusammen mit mehreren N24-Managern den Nachrichtensender von der ProSiebenSat.1-Gruppe übernommen. In der N24-Gruppe sind knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt. Der Sender produziert die Hauptnachrichten für Sat.1, ProSieben und Kabel eins.

Die Übernahme sei nicht als Kostensenkungs- oder Personalsparmaßnahme gedacht, betonten Sprecher beider Unternehmen. N24 sei bereits sehr schlank aufgestellt. Eine N24-Sprecherin bezeichnete den Gang unters Springer-Dach nach dreieinhalb Jahren der Selbstständigkeit als Sicherung der Firmenzukunft in der digitalen Welt. Dafür seien "starke Partner" nötig.

(RP)