„Tatort“-Fall „Unten im Tal“ Ein Cold Case im Schwarzwald mit Gänsehaut- und Gruselfaktor

Düsseldorf · Dunkle Szenen, dunkle Gestalten und viele Rückblicke: Der „Tatort“ am Sonntagabend tauchte tief ein in eine dramatische Familiengeschichte. Es ging um Freundschaft, Liebe und das Totschweigen von Geheimnissen. Kein Spoiler.

 Die Kommissare Friedemann Berg (gespielt von Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) ermitteln im Schwarzwald-„Tatort“ „Unten im Tal“.

Die Kommissare Friedemann Berg (gespielt von Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) ermitteln im Schwarzwald-„Tatort“ „Unten im Tal“.

Foto: obs/ARD Mediathek

Darum ging es

Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) bringt es schon in einer der ersten Szenen auf den Punkt: „Ich hätte nie gedacht, dass wir nochmal hierhin kommen“, sagt er zu seiner Kollegin Tobler.

Denn in einem kleinen Ort mitten im Schwarzwald wurden die menschlichen Überreste von Rosa Winterfeld gefunden. Sie verschwand vor Jahren aus dem Ort, wollte sich eigentlich aufmachen zu ihrer Tochter, die ihre Eltern dem damals 15-jährigen Mädchen wegnahmen und es nach Berlin zu Verwandten schickten. Nun steht fest: In Berlin kam Rosa damals nie an, sondern starb an einem Bergsee.

Das Kommissar-Pärchen taucht ein in eine krasse Familiengeschichte, in der sich ziemlich deutliche Abgründe auftun. So spielt das Verhältnis von Rosas Vater zu seinem Cousin Werner Tröndle (Aurel Manthei) zunächst eine wichtige Rolle. Denn Tröndle galt damals als Verdächtiger nach dem Verschwinden von Rosa und gilt es bis heute im Ort. Auch, weil er schon einen Mord begangen hat, in dem er völlig betrunken seine Frau totschlug.

Im Dorf verschwimmen munter die Grenzen zwischen Vorverurteilung, Verleumdung und der Unschuldsvermutung fast komplett, so deutlich, dass der ehemalige Krawallo Tröndle einem schon fast leidtun kann. Zu allem Pech finden die Ermittler dann noch die Leiche der wichtigen Zeugin von damals, Elif Topcu (Canan Samadi). Letztendlich ist eine kleine grüne Flasche mit Pflanzenschutzmittel der Turnover in diesem Tatort und bringt die Kommissare auf den richtigen Weg.

Darum ging es wirklich

Wie entwickelt sich das Verhältnis von Eltern und Kindern, die in jungen Jahren selbst Nachwuchs in die Welt setzen. Der „Tatort“ greift genau diese Thematik sehr sensibel auf, stellt die Zwänge der Beteiligten rund um das Verschwinden von Rosa gut ins Szene. Da sind zum einen die Eltern von Rosa, Josef und Meike Winterfeld (Cornelius Obonya und Inka Friedrich), die bis heute unter dem Verlust der Tochter leiden und mit ihrer Enkelin Antonia, genannt Toni (Carlotta Bähre), in einem Haus leben. Da ist Rosas damaliger Freund Axel Leibing (Tonio Schneider), der nichts unversucht lässt, einen guten Kontakt zu seiner vermeintlichen Tochter Toni aufzubauen.

Das war emotional

Dieser Nachblick kommt ganz ohne Spoiler aus. Aber der Satz „Blut macht nicht immer Familien aus“ dürfte für einen Gänsehautmoment sorgen, ungefähr bei Minute 78.

Außerdem putzig

In einer Vernehmungsszene von damals greift der Verdächtige Werner Tröndle Kommissarin Tobler an, drückt sie im Verhörzimmer an eine Wand. Nun – Jahre später – sitzt die gleiche Kommissarin vor dem PC und schaut sich genau jene Szene an. Die Zeit hat die Wunden wohl geheilt, sie schaufelt munter Kuchen in sich hinein, lässt es also professionell abperlen.

Was war besonders an dem Fall?

Der Schwarzwald gilt ja bekanntermaßen als Idylle, kleine winzige Ortschaften, nette Leute, gutes Essen und die Natur sind die Aushängeschilder. Mit der Natur spielen die Macher des Tatorts über den gesamten Film hinweg und hängen der Region einen düsteren Mantel um. Schwarzwald im Schnee, Schwarzwald im Nebel, ein Wolf, der Schafe reißt (in der Nacht), Schwarzwald ohne Schnee, mit ein bisschen Sonne. Schwarzwald im Dunkeln, mit wenig Licht. Ist den Machern gelungen, so entsteht ein schöner Grusel-Effekt.

Wie geht es weiter?

„Unten im Tal“ war der zehnte Fall von Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner. Wann der nächste „Tatort“ aus dem Schwarzwald ausgestrahlt wird, ist nicht klar.

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