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ARD-Programmchef Volker Herres in der Kritik

„Kein weibliches Pendant zu Kai Pflaume“ : ARD-Programmchef in der Kritik - gibt es keine guten Primetime-Moderatorinnen im Ersten?

Die Primetime-Unterhaltungsshows der ARD werden ausschließlich von Männern moderiert. In einem Interview sagte Programmdirektor Volker Herres nun, es gebe derzeit einfach keine geeigneten Moderatorinnen. Im Netz wurde Herres nun dafür heftig kritisiert.

Hat er damit recht? Oder ist die Aussage viel zu kurz geschlossen? Der ARD-Programmdirektor Volker Herres hat mit einem Interview in der „Bild am Sonntag“ viel Kritik einstecken müssen. Was war passiert? Herres hatte gesagt, ihm falle kein weibliches Pendant zu Kai Pflaume ein, „der die große Samstagabend-Show moderiert und mit seiner Empathie und Zugewandtheit so große Mehrheiten für sich begeistert.“

Kritik gab es prompt - auch aus den Reihen der ARD-Journalistinnen. Journalistin Eva Schulz, die selbst das ARD-Webvideo-Format „Deutschland3000“ auf YouTube betreibt, schrieb, sie sei „entsetzt“ über diese Aussagen. „Unter den Kolleginnen gibt es so viel 'empathische und zugewandte’ Frauen. Wie kann es sein, dass Sie uns nicht wahrnehmen?“. Auch „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis äußerte sich auf Instagram, in dem sie Schulz für ihre Passage gegen Herres feierte. „Dazu gibt es sonst nichts mehr zu sagen“, so Zervakis weiter.

Dunja Hayali, Moderatorin des Aktuellen Sportstudios im ZDF kommentierte Schulzes Tweet: „Offensichtlich können (in den Augen mancher) Frauen „nur“ Talk, Männer alles, inklusive Quiz(MASTER) und Unterhaltung..“Herres sagte im Gespräch mit „Bild am Sonntag“ weiter, dass er im Unterhaltungsbereich zwar gerne mehr Frauen sehen würde, jedoch betont, man arbeite bei ARD-Shows regelmäßig mit der „hinreißenden“ Barbara Schöneberger zusammen.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Lieber <a href="https://twitter.com/Volker_Herres?ref_src=twsrc%5Etfw">@Volker_Herres</a>, als Moderatorin eines ARD-Formats und begeistertes Mitglied des funk-Netzwerks bin ich entsetzt über Ihre Aussagen. Unter den Kolleginnen gibt es so viel „empathische und zugewandte“ Frauen. Wie kann es sein, dass Sie uns nicht wahrnehmen? (1/x) <a href="https://t.co/78n8pFtS2b">https://t.co/78n8pFtS2b</a></p>&mdash; Eva Schulz (@evaschulz) <a href="https://twitter.com/evaschulz/status/1270275507242913796?ref_src=twsrc%5Etfw">June 9, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Dennoch habe die ARD da ein Defizit, sagte Herres. Die Verantwortung für diese Tatsache, wies Herres jedoch von sich. Und schließlich seien die „legendären Entertainer“ alle Männer gewesen: „Ich habe nicht den Eindruck, dies ist wegen vorsätzlicher Diskriminierung. Aber ändern würde ich es gern.“ Falls man jemanden übersehen habe, könne er sich gerne melden, schloss Herres.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Hiermit „melde“ ich mich also „gern“ bei Ihnen, und möchte Sie auf diese Frauen hinweisen: Sabine Heinrich (<a href="https://twitter.com/frheinrich?ref_src=twsrc%5Etfw">@frheinrich</a>), Caroline Kebekus (<a href="https://twitter.com/carolinkebekus?ref_src=twsrc%5Etfw">@carolinkebekus</a>), Linda Zervakis (<a href="https://twitter.com/lindazervakis?ref_src=twsrc%5Etfw">@lindazervakis</a>), Ariana Barborie (@Ariana_Barborie), Hazel Brugger (<a href="https://twitter.com/hazelbrugger?ref_src=twsrc%5Etfw">@hazelbrugger</a>), Esra Karakaya, (3/x)</p>&mdash; Eva Schulz (@evaschulz) <a href="https://twitter.com/evaschulz/status/1270276230718394370?ref_src=twsrc%5Etfw">June 9, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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In den Kommentaren zu Herres Tweet „Interview heute in der BamS“ kritisierten viele User, dass Herres keinen Handlungsbedarf sehe, und als Programmchef die Verantwortung von sich weise, das anzugehen, um Frauen in der TV-UNterhaltung sichtbarer zu machen.

So schrieb Schulz weiter: „Wie kann es sein, dass Sie nicht begreifen, dass es Ihre Aufgabe wäre, diesen Moderatorinnen die „großen Mehrheiten“ überhaupt zu ermöglichen, indem sie ihnen die Sendeplätze und Budgets verschaffen?“ Sie „melde“ sich hiermit „gern“ bei ihm und zählte weitere Moderatorinnen und Journalistinnen auf, wie Carolin Kebekus, Sabine Heinrich und Hazel Brugger, Katrin Bauerfeind, Dunja Hayali, Palina Rojinski oder Anke Engelke.

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Auf die Tweets von Eva Schulz und die vorgeschlagenen Frauen, haben weder Herres noch der Sender bislang reagiert. Gegenüber dem Portal „watson“ äußerte sich aber ein Sprecher der ARD-Programmdirektion: „Herr Herres nimmt die genannten Frauen nicht nur wahr, sondern schätzt auch ausnahmslos ihre Arbeit. Selbstverständlich hält Herr Herres Frauen für geeignet, Unterhaltungsshows zu präsentieren. Voraussetzung ist, dass Sendeplatz, Format und Moderation perfekt zusammenpassen.“

(anst)