Anne Will: "Fridays for Future"-Aktivistin Therese Kah kontert gegen Reiner Haseloff

"Fridays for Future"-Aktivistin bei „Anne Will“ : "Wir haben nicht die Zeit, zu warten, bis das Studium fertig ist“

Die „Fridays for Future"-Proteste waren am Sonntagabend Thema bei Anne Will. Eine Aktivistin aus Dortmund ging im Studio in die Offensive, auch Greta Thunberg meldete sich per Videobeitrag zu Wort.

Darum ging es

Draußen auf der Straße bei den „Fridays for Future“-Protesten für Klimapolitik einstehen oder doch lieber im Unterricht sitzen? Darüber diskutiert Deutschland inzwischen seit mehreren Wochen. Was ist wichtiger für junge Menschen, was ist nachhaltiger? Die Talkrunde war stellvertretend für mehrere Meinungen zu diesem Thema gut aufgestellt.

Die Gäste

  • Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
  • Wolfgang Kubicki (FDP), Stellvertretender Bundesvorsitzender
  • Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Parteivorsitzender
  • Therese Kah, „Fridays for Future“-Aktivistin
  • Harald Lesch, Astrophysiker, Wissenschaftsmoderator und Autor

Darum ging es wirklich

Sind die Motive der jungen Klima-Aktivisten und ihrer Mitstreiter aufrichtig und zielführend? Oder geht's eigentlich nur ums Schule schwänzen? Daran entbrannte der erste Teil der Diskussion. Aber auch die Frage, ob die Generation Greta Thunberg tatsächlich in der Lage sein kann, die Klimapolitik entscheidend mitzuprägen, stand zur Debatte. Eine Antwort darauf gab Thunberg selbst - per Videobotschaft.

Frontverlauf

Umweltaktivistin Therese Kah, die ihr Abitur vor zwei Jahren in Dortmund gemacht hat, forderte gleich zu Beginn mehr Vertrauen in die Urteilskraft der Schüler, die sich entscheiden, dem Unterricht zwecks Protest fernzubleiben: „Jeder ist in der Lage, das selbst einzuschätzen, ob es ihm schadet“, sagt sie und bekommt Zuspruch von einem Vertreter der Wissenschaft und des Klimaschutzes. „Es sollten noch mehr Schüler schwänzen“, forderte Physiker Harald Lesch. „Die jungen Leute, sind die einzigen, die die Wissenschaft wirklich ernstnehmen.“

Für Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ist dies jedoch der falsche Weg: "Ich würde den Schülern sagen, macht in der Zeit Physik, Meteorologie, Klimapolitik, damit ihr für die Zukunft gewappnet seid.“ Die Umweltaktivistin konterte prompt: "Wir haben nicht die Zeit, zu warten, bis mein Studium fertig ist“, sagte Kah und bekam reichlich Applaus von den Zuschauern.

Auch die Initiatorin der jungen Bewegung kam höchstpersönlich zu Wort. Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hatte in einem Videomitschnitt aus einem bereits geführten Interview einen Auftritt. Dabei verteidigt sie ihre Methoden mit deutlichen Worten: "Ich bin Realistin. Ich weiß, was getan werden muss, und dann tue ich es einfach“, sagt die 16-Jährige. „Ich schreibe niemandem vor, einen solchen Lebensstil zu führen. Alles, was ich versuche ist, Aufmerksamkeit zu erregen.“

Vorwürfe, wonach sie von Drahtziehern im Hintergrund manipuliert werde, wies sie zurück und bezeichnete die Angriffe auf ihre Person als „traurig“. Ihre Reden verfasse sie selbst, lediglich Berater aus der Wissenschaft hole sie sich gelegentlich hinzu. Trotzdem rechnet Greta Thunberg offenbar damit, dass das öffentliche Interesse an der "Fridays for Future"-Bewegung zurückgehen wird. "Ich werde nicht mehr so sehr im Fokus der Medien stehen“, sagte sie.

Natürlich stand auch die Klimapolitik der Bundesregierung auf dem Prüfstand. Während der CDU-Vertreter in der Runde vor allem den Kompromiss zum Kohleausstieg hervorhebt, äußert sich Grünen-Parteivorsitzenden Robert Habeck deutlich kritischer: "Wir sind dabei, die selbst gesteckten Klimaziele nicht einzuhalten.“ Im vergangenen Wahlkampf habe die Bundeskanzlerin noch gesagt, „wir schaffen das“. "Nur um später zu sagen, ich habe 2030 gemeint“. Anstatt das Jahr 2020 als Zeitlimit für die Reduktion der Treibhausgase festzulegen.

Reichlich Gegenrede kam von Haseloff und Kubicki. "Überall dort, wo Menschen Angst um die eigene Existenz haben, wählen sie radikal“, sagte Kubicki. Alle Kohlekraftwerke sofort vom Netz zu nehmen, vernichte volkswirtschaftliche Werte, mit denen man viele Kraftwerke in anderen Ländern sanieren könne, betonte Haseloff - selbst Mitglied in der Kohlekommission.

Satz des Abends

Der schließt sich unmittelbar an die Diskussion um die Klimapolitik und den Kohleausstieg der Bundesregierung an und kommt von Harald Lesch. Auf den Vorschlag von Wolfgang Kubicki, bestimmte Energie nicht komplett zu verbieten, sondern teurer zu machen, sagte er: "Das dümmliche Entgegensetzen von Wohlstand und Klimaschutz ist ein Rückfall in die Sechziger Jahre."

(mro)