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TV-Nachlese zu "Markus Lanz": Amanda Knox: "Es hat mir die Seele geraubt"

TV-Nachlese zu "Markus Lanz" : Amanda Knox: "Es hat mir die Seele geraubt"

In Italien wird demnächst der Mordprozess gegen sie wieder aufgerollt: Amanda Knox. Ungeachtet dessen wirbt die 25-jährige Amerikanerin derzeit für ihr Buch "Zeit, gehört zu werden" – auch in Deutschland. Am Donnerstagabend war sie zu Gast bei Markus Lanz. Sie sagt: "Ich bin kein Monster."

In Italien wird demnächst der Mordprozess gegen sie wieder aufgerollt: Amanda Knox. Ungeachtet dessen wirbt die 25-jährige Amerikanerin derzeit für ihr Buch "Zeit, gehört zu werden" — auch in Deutschland. Am Donnerstagabend war sie zu Gast bei Markus Lanz. Sie sagt: "Ich bin kein Monster."

In einer weißen, mädchenhaften Bluse mit gefalteten Händen sitzt Amanda Knox in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Der "Engel mit den Eisaugen" lächelt den Moderator an, ein wenig verlegen, dann blickt sie wieder nach unten, der Blick abgewandt und traurig. Ihre Stimme ist fest, als sie beginnt über ihr Buch zu reden, darüber, dass sie darin auch intime Details mitteilt.

"Ich habe sehr viel gelernt, durch das, was ich durchgemacht habe", sagt sie. Und was sie gelernt habe, ist, dass sie ehrlich sein müsse. Der schlimmste Moment in all den Jahren, sagt sie zu Lanz, sei ihre Verurteilung gewesen. Dabei atmet sie tief durch. "Ich konnte nicht glauben, dass mich jemand als Mörderin abstempeln würde. Es hat mir die Seele geraubt."

Sie erzählt auch vom Verhör, sie habe nicht verstanden, dass man sie angeschrien habe, sie habe doch helfen wollen. Diese beiden Momente seien es gewesen, die ihre Welt zusammenbrechen ließen. Als Lanz nochmal das Urteil gegen sie wiederholt — "schuldig, 26 Jahre", da wirkt die junge Frau, als fiele das Urteil in diesem Moment noch einmal. Sie kneift die Augen zusammen, schluckt, sagt ganz leise: "Ja." "Ich habe versucht, diese Zahl zu begreifen", sagt sie dann wieder mit fester Stimme.

Die Leiche hat sie nicht gesehen

Knox erzählt ihre Version der Geschichte, dass sie bei ihrem mitangeklagten Freund gewesen sei, sie hatten einen ruhigen Abend verbringen wollen. Wenn sie erzählt, dann wirkt sie ernsthaft, gefasst. Doch zwischendurch, wenn Lanz Fragen stellt, dann blickt sie meist zu Boden, wirkt verletzlich, auch ängstlich. Sie erzählt vom alltäglichen Marihuana-Gebrauch in der italienischen WG oder bei ihrem Freund. Sie erzählt, wie sie in ihre WG gekommen sei. Und sie erzählt auch, dass sie nicht in dem Zimmer gewesen sei, in dem die englische Studentin Meredith Kercher ermordet worden war — "Gott sei dank". Es ist die Geschichte, die sie nun immer wieder erzählt, ihre Version der Geschichte.

Knox erzählt auch von den stunden-, tagelangen Verhören, "in denen ich immer wieder erschöpft war". Die Beamten hätten sie angeschrien, auf den Hinterkopf geschlagen und ihr gesagt, sie wisse, wer der Mörder ist. "Sie waren auf mich wütend, weil ich eine SMS vergessen habe, die ich an meinen Boss, Patrick geschrieben habe."

Nach all den Verhören, so sagt sie, habe sie selbst geglaubt, dass sie unter einer Amnesie leide. "Viel von dem, was in dem Protokoll steht, hat der Staatsanwalt zusammengetragen", sagt sie. Sie habe immer nur gesagt: Ja, nein, ich weiß es nicht, ich erinnere mich nicht. Knox wiederholt die Vorwürfe gegen die italienische Justiz, die sie bereits in ihrem Buch und im Interview mit dem US-Sender ABC erhoben hat.

Als Lanz sie nach der Zeit im Gefängnis fragt und wie es sich anfühlt, wenn man daran denken müsse, dass das 26 Jahre dauern würde, steigen der jungen Frau Tränen in die Augen. Sie atmet tief durch, spricht leise. "Ich habe immer gedacht, dass es Schlimmeres gibt. Meine Freudin war tot. Ich hätte auch tot sein können, wenn ich in der Wohnung gewesen wäre. Ich lebte wenigstens noch", versucht sie ihre Überlebensstrategie im Gefängnis zu beschreiben. "Man darf die Tage nicht zählen, man muss Tag für Tag angehen", fügt sie hinzu.

Vor Gericht total hilflos

Knox erzählt, dass sie von der Berichterstattung nichts mitbekommen habe, aber die Aussagen vor Gericht seien schon genug für sie gewesen. Man habe sie dort Teufelin, Hure, Lügnerin und anderes genannt. "Das war beängstigend", sagt sie. "Da war ich total hilflos." Sie habe überhaupt keine Chance gehabt, sich dagegen zu wehren. "Das war zerstörerisch", sagt sie noch.

Als Lanz sie fragt, wie man sich in solchen Augenblicken aufrichtet, lächelt Knox und sagt: "Ich weiß, wer ich bin" und "Ich lebe mein Leben nach den Werten, die ich habe." Sie habe auch nie einen Zweifel gehabt. "Ich glaubte auch nicht, dass ich mich in eine andere Person verwandelt habe, dass ich ein Monster geworden bin." Das einzige, was sich geändert habe in dieser Zeit ist, dass sie erwachsen geworden sei. "Ich habe Meredith nicht getötet, nein", sagt sie noch einmal mit fester Stimme und atmet tief durch.

Ob sie wieder nach Italien gehen wird zur Neuauflage des Prozesses, fragt sie Lanz. Knox wolle das erst mit ihren Anwälten besprechen. Doch die Wiederaufnahme sei ein Schock gewesen und sie versuche noch immer, das zu begreifen, die Begründung gebe es noch nicht. Im Moment aber, sagt sie, lautet die Antwort: Nein.

(das)