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37-Grad-Dokumentation: ZDF zeigt drastische Bilder der Tierzucht

ZDF-Film über Tierhaltung : Dokumentation beleuchtet mit drastischen Bildern die Tierzucht

Es sind teils drastische, aber realistische Bilder, mit denen Filmemacher Manfred Karremann die Tierzucht in Deutschland darstellt. Küken rasen mit hoher Geschwindigkeit über Förderbänder, stoßen mit dem Kopf gegen Maschinenteile oder werden aussortiert, weil sie das falsche Geschlecht haben. Auf Twitter hat sich eine breite Diskussion über Massentierhalten entwickelt.

Die Dokumentation mit dem Titel "Unser täglich Tier" steigt bereits mit Bildern ein, die viele Zuschauer weder gewöhnt, noch einfach zu ertragen sind. Zu Beginn sieht man Hunderte Küken, die über Förderbänder geschickt werden. Sie werden über Rampen geschoben und fallen von Maschine zu Maschine. Es sind Hühner, die gezüchtet werden, um Eier zu legen. Für Hähnchen ist hier kein Platz, sie werden nach dem Schlüpfen aussortiert, werden getötet. Das ZDF bietet dem Zuschauer auch die Tötung sehr offen als Bewegtbild an. Die Tiere werden durch Gas erstickt und dann in einen Häcksler geworfen.

Drastische Bilder, aussagekräftige Statistiken

So drastisch wie die Bilder wirken auch die Statistiken, die im Film genannt werden. Die Zuchthühner in der Eierproduktion legen im Jahr bis zu 800 Eier. Diese "Turbohühner" sind längst zu einem Faktor im internationalen Wettbewerb unter Nationen geworden, aus Deutschland und den Niederlanden werden Zuchttiere beispielsweise nach Russland oder China exportiert. Wer keine "Turbohühner" hat, droht einen Wettbewerbsnachteil zu riskieren.

Dieser Wettbewerb hat dazu geführt, dass sich der reale Eierpreis in Deutschland seit 1975 fast halbiert hat. Auch die Zahlen, die Zucht- und Mastbetriebe produzieren, sprechen eine deutliche Sprache. In vielen Zuchtbetrieben schlüpfen laut ZDF 180.000 Küken, die später Eier legen sollen. In anderen Betrieben werden täglich bis zu 300.000 Tiere sortiert, die für die Fleischproduktion bestimmt sind.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist nach der Ausstrahlung des Films eine Diskussion darüber gestartet, ob die Eindrücke und Zahlen aus der Tierzucht nicht zu deutlich präsentiert würden. Die meisten Nutzer kamen jedoch zu dem Schluss, dass der Film trotz drastischer Bilder eine klare und nachvollziehbare Botschaft sende.

@ZDF #37grad #unsertäglichtier etwas überspitzt aber dennoch sehr gut gemachte Reportage. #Germany mag es eben gern billig. "Go Bio"

Auch Tierschützer vertreten in der Dokumentation einen nachvollziehbaren Standpunkt. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, sagte, dass Kunden durchaus Fleisch essen könnten, dann aber eben darauf achten sollten, wo es herkommt. Dass es Gegenentwürfe zu der konventionellen Tierhaltung gibt, zeigt ein Beispiel aus dem Film. Das Filmteam drehte auch in einem Betrieb, der die Tiere aufzieht, die sonst getötet würden, weil sie zu schwach sind, oder aber das falsche Geschlecht haben. Hier wird kein Tier bei lebendigem Leib verbrüht oder zerteilt, wie es der Film im Fall der Schweinezucht zeigt.

"Hier geht's um mehr als um Mathematik"

Mit einer weiteren Statistik zeigt Filmemacher Manfred Karremann, dass die konventionelle Geflügelzucht die Regel ist. 99,4 Prozent der verkauften Hähnchen kommen aus der Massentierhaltung. In der Putenzucht sei dies ähnlich. Für mehrere Zuschauer war dieser Befund jedoch nicht ermutigend. Wie sie bei Twitter mitteilten, kommt für sie der Konsum des täglichen Fleisches aus der Massentierhaltung nicht infrage. Schließlich ginge es nicht nur um Statistik und Mathematik, sondern um Tierschutz.

@cygairko @ZDF Hier gehts um mehr als um Mathematik.#37grad @ZDF #7500qcm pic.twitter.com/NP3YHVCL9k

Die Dokumentation "Unser täglich Tier" aus der Reiher "37 Grad" ist in der Mediathek des ZDF in den kommenden Tagen verfügbar.

(ac)