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"Die Zuschauer - Ich schaffe es nicht allein": 2096 Jahre Lebenserfahrung und kein guter Rat

"Die Zuschauer - Ich schaffe es nicht allein" : 2096 Jahre Lebenserfahrung und kein guter Rat

Stahlarbeiter oder Schlagersänger? Der 40-jährige Dortmunder Markus kann sich zwischen seinem Arbeitsalltag und seiner Leidenschaft nicht entscheiden. In einer RTL-Doku bekam er deshalb vermeintliche Hilfe von 50 Wildfremden.

Im der Real-Life-Doku "Die Zuschauer - Ich schaffe es nicht allein" wurden 50 Menschen unterschiedlicher Couleur - unter anderen Hausfrau, Bankkaufmann und Busfahrer-Azubi - plötzlich zu Lebenshilfe-Experten. Insgesamt 2096 Jahre Lebenserfahrung sollten dem 40-jährigen Feuerverzinker Markus dabei helfen, die richtige Abzweigung an der Kreuzung seines Lebens zu nehmen.

Natürlich kann man solche Probleme aber nicht im gemütlichen Stuhlkreis lösen - zumindest nicht in einer deutschen Doku-Soap. Deshalb begleiteten die 50 Zuschauer den Dortmunder im Gänsemarsch auf Schritt und Tritt.

Je skurriler, desto besser: RTL quetschte die Menschenmenge aus 50 Personen in Markus Dreizimmer-Wohnung und auch in den Partykeller des 40-Jährigen. Dabei wurden kritische, provokante und sehr persönliche Fragen rund um den Job, den Gesang und die Familie gestellt (Ob die Langzeitfreundin nicht eifersüchtig sei? Ob sich die Mutter nicht Sorgen mache? Ob er denn eine Gesangsausbildung gemacht habe?), die Zuschauer sollten den Dortmunder Kandidaten besser kennenlernen um ihm am Ende den richtigen Rat zu geben.

RTL präsentierte die Show im Vorfeld als großes Experiment, das genau dann eine Hilfestellung gibt, wenn es unmöglich scheint, selbstständig eine Entscheidung zu treffen. Doch genau daran krankt die Sendung. Das Problem: Ein Entschluss, der das eigene Leben nachhaltig beeinflusst, kann immer nur der Betroffene selbst fällen. Niemand kann ihm das abnehmen. Ein Gremium aus 50 wildfremden Menschen kann zu dieser Entscheidungsfindung deshalb absolut nichts beitragen, ohne den Kandidaten näher zu kennen. RTL verwechselte Objektivität mit Empathie, dadurch verkam "Die Zuschauer" zur reinen Fragestunde.

Übrigens: Die 50 "Zuschauer" waren am Ende der Sendung zwar zwiegespalten, einigten sich nach langer Diskussion aber darauf, dass der 40-jährige Markus seinen sicheren Job im Stahlwerk kündigen und das Abenteuer "Schlagersänger" wagen soll - vorausgesetzt er nimmt Gesangsunterricht.

(felt)