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Flucht aus der DDR: 1989 mit dem Zug in die Freiheit

Flucht aus der DDR : 1989 mit dem Zug in die Freiheit

Arte zeigt morgen ein bewegendes Doku-Drama über die Prager Botschaftsflüchtlinge.

Kurz vor der Grenze zur DDR wurde es still im Zug. "Die Angst ist mitgefahren", erinnert sich Jens Hase. Vor 25 Jahren war er einer der Prager Botschaftsflüchtlinge, die mit einem von westdeutschen Diplomaten begleiteten Sonderzug in den Westen fuhren. Der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher hatte den mehr als 4000 in der deutschen Botschaft in Prag ausharrenden Ostdeutschen am 30. September 1989 die Nachricht über ihre bevorstehende Ausreise überbracht. Doch "Der Zug in die Freiheit" musste durch DDR-Gebiet fahren - eine Bedingung des SED-Staates.

Das 90-minütige MDR/Arte-Dokudrama "Zug in die Freiheit" erzählt morgen Abend auf Arte, was sich in der Zeit zwischen Genschers mit Jubel aufgenommener Ankündigung in Prag und der glücklichen Ankunft der DDR-Flüchtlinge im bayerischen Hof ereignete. Mit Zeitzeugen und Original-Filmmaterial blicken Sebastian Dehnhardt und Matthias Schmidt zurück auf die dramatische Zeit. Die Spielszenen fügen sich nahtlos ein. So ist ein packender Film über ein entscheidendes Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte entstanden.

Das Ende von Genschers legendärem Satz "Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise . . ." ging im Jubel der Botschaftsflüchtlinge unter. Kurz danach musste der Politiker den Menschen erklären, dass sie 253 Kilometer durch das Land fahren müssen, aus dem sie geflüchtet waren.

Denn es war eine Fahrt ins Ungewisse. Spätestens im Zug mischen sich bei den DDR-Bürgern Zweifel in die Euphorie. Werden die Züge unbehelligt durch die DDR fahren können? Wird die Stasi Einzelne herausholen? Nach der Grenze steigen Stasi-Männer ein und nehmen den Menschen die Personalausweise ab - sozusagen als Akt der Ausbürgerung. Neben den Schilderungen von Genscher und Diplomaten sind es vor allem die Flüchtlinge, die noch einmal zu Wort kommen. So wie die Jungs, die versuchten, in Reichenbach auf den Zug aufzuspringen, weil sie in der DDR einfach keine Zukunft für sich sahen. Ein lebensgefährliches, am Ende aber erfolgreiches Unterfangen.

"Der Zug in die Freiheit", Arte, Di., 20.15 Uhr

(dpa)