Femen stürm Bühne von Markus Lanz

Hamburg : Frauenrechtlerinnen stürmen Lanz-Talk

Die zwei Frauen sind keine Unbekannten: Eine von ihnen hatte bereits in Heidi Klums Modelshow für Aufruhr gesorgt.

Hajo Schumacher spannte in der Talkshow von Markus Lanz gerade den ganz großen Bogen: Der Journalist zitierte Nelson Mandela um das Wirken des italienischen Fußballlehrers Giovanni Trapattoni zu ehren. "Es sind die Worte über Sport, die die Welt verändern können..." — jäh wurde seine Plauderei unterbrochen. Zwei junge Frauen, oberkörperfrei, stürmten in die Mitte der Talkrunde und skandierten: "Boykott, Fifa, Mafia".

Der Live-Talk war als muntere Fußball-Sendung geplant, am Mittwochabend sollte es um Trapattonis legendäre Wutrede ("Was erlauben Strunz") von 1998 gehen. Markus Lanz hatte den Trainer gar einfliegen lassen und der ehemalige Bayern-Spieler Thomas Strunz war auch gekommen. Die Show aber gehörte plötzlich den Aktivistinnen der Gruppe Femen.

Hellen Langhorst und Josephine Witt heißen die Frauen, die nicht zum ersten Mal für Femen ins Feld zogen. Langhorst setzte sich schon beim Protest gegen die Fernsehshow "Germany's next Topmodel" in Szene, Witt saß zuletzt vier Wochen in einem tunesischen Gefängnis, weil den dortigen Behörden der Nackt-Einsatz für die Freilassung einer Frauenrechtlerin zu weit ging.

Die international agierendende Gruppe Femen sucht den öffentlichen Auftritt, die Aktivistinnen wissen um die Medienwirksamkeit ihrer stets halbnackten Demonstrationen. Die Frauen treten auf, wenn sie sicher sein können, dass Kameras ihre unangekündigten Proteste festhalten werden. Spätestens als Femen-Aktivistinnen den Besuch von Angela Merkel und Wladimir Putin bei der Hannover-Messe im April störten, erweckten sie das Interesse der Öffentlichkeit. Damals richtete sich der Protest gegen die russische Menschenrechtspolitik, bei Markus Lanz ging es Langhorst und Witt um die Entscheidung des Fußballweltverbands Fifa, die WM 2022 im Wüstenstaat Katar austragen zu lassen. Katar stand zuletzt wegen der widrigen Bedingungen beim Stadionbau in der Kritik.

Die Frauen hatten sich für ihren Auftritt Fußbälle auf die Brüste gemalt, "Blut & Spiele" und "Don't play with human rights" stand in schwarzer Farbe auf ihren Bäuchen. Markus Lanz reagierte schnell und souverän, mit Femen wusste er umzugehen: Erst am vergangenen Samstag war eine Aktivistin in seinem ZDF-Jahresrückblick "Menschen 2013" zu Gast.

Darum vielleicht wies er nun die herbeieilenden Sicherheitskräfte an, nicht einzugreifen, und bat um ein Handmikrofon. Die Femen-Frauen aber waren auf ihre Boykott-Parole festgelegt und schienen auf ein Gespräch nicht vorbereitet. Stattdessen bat Lanz einen Mann, der mit den Frauen das Rampenlicht gesucht hatte, ans Mikrofon. Der junge Unbekannte — angezogen — erklärte: In Katar würden Arbeiter wie Sklaven behandelt. "In so einem Land" sollte die WM nicht stattfinden. "Botschaft angekommen", erwiderte Lanz, der Mann verließ unter Applaus das Studio.

Dem Eindruck, dass es sich um eine koordinierte Aktion handelte, widersprach die Organisation. "Bei Femen Germany gibt es keine Männer, und wenn, wären diese ebenfalls unbekleidet", hieß es gestern von den Aktivistinnen. Der Mann müsse einer weiteren Gruppe angehören. Er hatte die Gunst der Stunde offensichtlich genutzt.

Als nach gut zwei Minuten alles vorbei war, war es Hajo Schumacher, der die Show in gewohnte Bahnen zurücklenkte. "Ich dachte: Wow. Der hat aber immer noch tolle Fans, der Trappatoni", sagte er.

(RP)
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