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Facebook: Thessa-Party eskaliert

Facebook: Thessa-Party eskaliert

Ein Teil der 1600 ungebetenen Gäste randalierte in der Nacht zum Samstag in einem Hamburger Wohngebiet, nachdem die 16-jährige Thessa ihre Geburtstagseinladung versehentlich auf der Internet-Plattform "Facebook" veröffentlich hatte. Mülltonnen brannten, ein Polizist wurde verletzt.

Hamburg (RP) Wer die Kosten für den gewalttätigen Teenager-Geburtstag zahlen muss, ist noch offen: Mit 100 teils berittenen Beamten hat die Hamburger Polizei am Freitagabend ein Wohnhaus im Stadtteil Barmfeld vor rund 1600 Facebook-"Freunden" der Tochter des Hauses geschützt. In der vergangenen Woche hatte die noch 15-jährige Thessa die Einladung zu ihrem 16. Geburtstag versehentlich bei Facebook öffentlich gemacht, statt sie nur an ein paar Freunde zu verschicken. Daraufhin hatten rund 15 000 Mitglieder des Freunde-Netzwerks ihr Kommen angekündigt.

Thessa Vater sagte die Party umgehend ab, verständigte die Polizei und engagierte schließlich einen privaten Wachdienst. Trotzdem erschienen rund 1600 ungebetene Partygäste vor dem Reihenhaus, das von der Polizei weiträumig abgesperrt wurde. Die meist jugendlichen Facebook-Nutzer bedankten sich auf Transparenten für die Einladung und sangen einen "Thessa"-Song, der im Internet rasend schnell verbreitet wurde und inzwischen einen vorderen Hitparadenplatz belegt.

Mit zunehmender Alkoholisierung kippte die Stimmung im Laufe des Abends jedoch um. Vorgärten der Nachbarn wurden zertrampelt, Autos demoliert und Mülltonnen angezündet. Aus der Menge wurden Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizisten geworfen, eine Gartenlaube brannte nieder. Jugendliche rannten auf Garagendächern herum, auch der nahegelegene Bramfelder See wurde in Mitleidenschaft gezogen. Nachbarn reagierten wütend auf den Party-Mob.

Bei den Ausschreitungen wurden mehrere Jugendliche und ein Polizist verletzt. Die Beamten nahmen elf Jugendliche vorläufig fest. Ihnen werden Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Erst nach 2 Uhr am Samstagmorgen beruhigte sich die Lage in dem Wohngebiet. Die "Hamburger Morgenpost" berichtet, auch gestern sei die Familie weiter belästigt worden.

Erst im November hatte eine 18-Jährige in Bayern versehentlich eine private Geburtstagsfeier bei Facebook öffentlich gemacht, allerdings mit weniger dramatischen Folgen. Damals wimmelte die Polizei 300 unerwünschte Gäste ab. In Großbritannien erhielt eine 14-Jährige im vergangenen September 21 000 Zusagen auf eine Partyeinladung, die eigentlich nur ihren engsten Freundinnen hatte gelten sollen. Auch dort musste das Elternhaus von der Polizei bewacht werden. Die jetzt 16-jährige Thessa, die einen der teuersten Teenager-Geburtstage Hamburgs gefeiert haben dürfte, hatte in ihre Einladung geschrieben: "Ich feier' am 03.06. in meinen Geburtstag rein. Kommen kann, wer will, aber bitte vorher Bescheid sagen!" Durch ein Versehen war die Veranstaltung jedoch nicht als privat, sondern als öffentlich gekennzeichnet worden. So erhielten alle "Interessierten" gleich auch Namen und Anschrift von Thessa. Auch nach dem Löschen wurde die Einladung weiterverbreitet.

(RP)