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Ex-Tennisprofi Boris Becker will diplomatische Immunität im Insolvenzverfahren

Ex-Tennis-Star Boris Becker : Plötzlich Diplomat

Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker versucht, sich einem Insolvenzverfahren zu entziehen. Seine Anwälte argumentieren mit seiner diplomatischen Immunität.

Boris Becker wehrt sich gegen seine Gläubiger. Das Insolvenzverfahren vor einem Londoner Gericht soll gestoppt werden – seine Anwälte hatten zuvor bekannt gemacht, ihr Mandant könne wegen seiner Aufgabe als Sonderattaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik bei der EU nicht mehr rechtlich belangt werden. Den Posten hatte der 50-Jährige eigenen Angaben zufolge im April als Ehrenamt übernommen.

Entscheiden muss in dem Streit nun der Londoner High Court. Beckers Anwälte haben dort einen Antrag gestellt, das Insolvenzverfahren gegen ihn wegen der diplomatischen Immunität bis auf Weiteres zu stoppen, wie aus einer Pressemitteilung der Londoner Kanzlei Sal & H hervorgeht. Die diplomatische Immunität, machten seine Anwälte geltend. Aufgrund der Wiener Konvention, einem völkerrechtlichen Vertrag, der diplomatische Beziehungen regelt, könne Becker nicht Gegenstand eines rechtlichen Verfahrens sein – es sei denn, der britische Außenminister Boris Johnson und sein zentralafrikanischer Amtskollege würden dies erlauben. Der britische Insolvenzverwalter glaubt nicht an Beckers Immunität. Das teilte die Londoner Kanzlei Smith & Williamson

Wie viele Schulden der ehemalige Tennisprofi gegenüber der Privatbank „Arbuthnot Latham“ hat, wurde vor Gericht nicht bekannt. Nach Recherchen der „Daily Mail“ soll es sich um einige Millionen Euro handeln. Normalerweise wird in Großbritannien nach einem Jahr der Status als Bankrotteur aufgehoben, doch Beckers Gläubiger hatten vor dem High Court eine Verlängerung beantragt. Beckers Anwälte dagegen wollen erreichen, dass der High Court ihn sofort für immun erklärt.

Damit würden die Auflagen wegfallen, die Becker zur Zeit erfüllen muss und die unter anderem verlangen, dass er sämtliche Einnahmen zu protokollieren hat und wenig mehr als ein Taschengeld behalten darf. Setzen sich seine Anwälte durch, muss Becker nicht mehr auf das Gehalt von geschätzten 250.000 Pfund verzichten – in zwei Wochen wird er wieder für die BBC das Tennisturnier von Wimbledon kommentieren.

Der Leimener erklärte in einem Statement: „Ich habe jetzt diplomatische Immunität geltend gemacht – denn dazu bin ich in der Tat verpflichtet –, um diese Farce zu Ende zu bringen, damit ich anfangen kann, mein Leben wieder aufzubauen.“ Die Einleitung eines Insolvenzverfahrens gegen ihn sei „sowohl ungerechtfertigt wie unrechtmäßig“ gewesen. „Ein Haufen anonymer und unverantwortlicher Banker und Bürokraten hat mich zu einer völlig unnötigen Bankrotterklärung genötigt, die mir eine Menge Schaden zugefügt hat.“ Nun will er das Blatt wenden und Schadensersatz fordern. „Ich werde hinter den Leuten her sein, die diesen Prozess erzwungen haben, um sie öffentlich für ihre Aktionen verantwortlich zu machen.“

Er verteidigte seine Rolle als Sport-Attaché: „Meine diplomatische Rolle in der Zentralafrikanischen Republik erlaubt mir, etwas Bedeutendes an Sport-Fans in einem der ärmsten Teile der Welt zurückzugeben. Es gibt keinen Grund, warum diese Rolle anders behandelt werden sollte als eine Ernennung zu einem Militär- oder Wirtschaftsattaché, die, wie jedermann anerkennt, Immunität genießen.“

Nicht alle sehen das so. Becker, der in Großbritannien sehr beliebt ist, gerät in die Kritik, weil seine diplomatische Rolle als Trick verstanden wird, um seine Schulden nicht bezahlen zu müssen. Das britische Außenministerium teilte mit, es gebe keine Aufzeichnungen darüber, dass Becker in diplomatischer Mission in Großbritannien sei.

(witt/dpa)