Düsseldorf: Erster Wirt verbietet Essen-Fotos im Netz

Düsseldorf : Erster Wirt verbietet Essen-Fotos im Netz

Viele Menschen fotografieren in Lokalen ihr Essen und stellen die Bilder ins Internet. Wirte reagieren unterschiedlich.

In sozialen Netzwerken wird gerne geteilt. Vor allem das Essen – virtuell zumindest. Fotos von Burgern, Kuchen, Schnitzeln und Co. finden sich massenhaft bei Facebook und dem Bilderservice Instagram. Einem Berliner Gastwirt reichte es allerdings mit dem Fotografieren. Er hängte einen Zettel in den Gastraum mit der Aufforderung: "Bitte hier im Restaurant das Essen nicht instagrammen! Diesen Zettel bitte auch nicht!" Vergeblich. Soziale Netzwerke lassen sich nichts verbieten. Gastronomen aus der Region sind sich ohnehin einig: Die Internet-Nutzer machen kostenlose Werbung – und darauf ist man stolz.

"Bei uns ist jedes Essen ein Kunstwerk, und darum ist das Fotografieren und Ins-Internetstellen erlaubt und sogar gewünscht", sagt Nicoletta Schäfer vom Düsseldorfer "Interconti". Das Essen würde meist gepostet, wenn es dem Gast schmeckt. "Der Standard wird meist nicht abgelichtet." Zudem sei die Verbreitung der Bilder im Internet eine Art Mund-zu-Mund-Propaganda – "besser als jede Werbung, denn dem Urteil des Freundes vertraut man", sagt Schäfer. Schön wäre es aber, wenn die Gäste nicht nur die Bilder, sondern auch den Ort der Aufnahme teilten.

Auch im Monkey's in Düsseldorf ist man meilenweit von einem Verbot entfernt. "Wir leben im 21. Jahrhundert. Klar sind die Bilder nicht optimal ausgelichtet, aber das macht doch nichts. Es sind halt Handybilder", sagt eine Mitarbeiterin. Sollte allerdings jemand mit einem Stativ und einer Kamera in den Laden kommen, dann wäre das zu viel des Guten, sagt sie und lacht.

Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW meint, ein Verbot, wie es der Berliner Gastwirt verhängt hat, sei schwierig. "Das ist eigentlich nur möglich, wenn das Gericht so einzigartig ist, dass es als Kunstwerk gilt", erklärt er. "Bei einem ,Strammen Max' ist das also kaum durchsetzbar." Im Falle der einzigartigen Kreation trete das Urheberrecht in Kraft, sagt Hellwig. "Das ist dann nämlich geistiges Eigentum." Er hat aber bislang noch nicht erlebt, dass ein Gastronom in NRW das Fotografieren der Gerichte untersagte.

Verständnis für ein Verbot bringt Ciro Colella, Betreiber des Düsseldorfer Malkastens und des Duisburger Seehauses, auf: "Ich kann verstehen, wenn ein Sternekoch nicht möchte, dass er kopiert wird, und darum Fotos verbietet. Wir selbst sind aber stolz auf unsere Gerichte und sind sogar glücklich, wenn Bilder gemacht werden."

Auf die Spitze treibt es die Gastronomie-Kette "Vapiano". Dort verzichtet man komplett auf Werbung und setzt auf die Kunden, die Bilder via Facebook, Instagram und anderen Plattformen verbreiten. "Aus kommunikativer Sicht ist das super. Wir unterstützen das auch, indem wir die Bilder mit ,Gefällt mir' markieren", sagt Florian Schleinig von der Agentur "Achtung", die das "Vapiano" vertritt. Er meint, es sei nicht förderlich, wenn man sich gegen die moderne "Werbung" sperre.

(RP)
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