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Berchtesgaden: Erster Arzt erreicht verletzten Höhlenforscher

Berchtesgaden : Erster Arzt erreicht verletzten Höhlenforscher

Ein österreichischer Mediziner ist zu dem Verletzten durchgedrungen. Nun muss über dessen Transportfähigkeit befunden werden.

Mehrere Tage nach dem Unglück in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden ist erstmals ein Arzt bei dem schwer verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser angekommen. "Der österreichische Arzt und die Italiener haben den Patienten erreicht", hieß es in einer Textnachricht, den die Helfer über das eigens installierte Funksystem vom Unglücksort in 1000 Metern Tiefe an die Rettungskräfte draußen absetzten. Ob auch der italienische Arzt schon beim Verunglückten ist, sei unklar, sagte der stellvertretende Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, gestern Abend. Der Arzt muss nach der medizinischen Versorgung entscheiden, ob Westhauser transportfähig ist, und wie er nach oben gebracht werden soll. Neue Nachrichten werde es erst heute geben, sagte Schneider.

Der Mediziner aus Österreich war am Dienstag aufgebrochen und gut einen Tag über senkrechte Wände und enge Schächte unterwegs, ehe er den 52-Jährigen erreichte.

Zunächst hatten die Helfer gehofft, dass ein Mediziner den Verletzten, der derzeit von einem Schweizer Team betreut wird, schon gestern erreichen könnte. Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren. Er war mit zwei anderen Forschern von einem Steinschlag überrascht und von einem Brocken am Kopf getroffen worden. Dabei hatte er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Sein Zustand sei aber stabil, sagte Schneider. Er soll ansprechbar sein und mit Hilfe stehen können.

Für den Aufstieg ist nötig, dass Westhauser mithelfen kann - etwa gibt es eine Engstelle, die nur passierbar ist, wenn man den Kopf schräg legt und den Bauch einzieht. Unter anderem mit Hilfe von Flaschenzügen könnte der Verletzte über senkrechte Stellen gebracht werden. Unklar ist, wie er geborgen werden soll, falls er nicht aus eigener Kraft etwas tun kann. Westhauser wisse aber genau, was nun auf ihn zukommt. "Er weiß, wie es ist, selbst auf der Trage zu liegen - alles, was passieren könnte, haben wir oft geübt", sagte Matthias Leyk, Einsatzleiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg. Westhauser habe eine Unzahl solcher Übungen absolviert und sei sehr kompetent. Er habe regelmäßig Einsätze, Seminare und Rettungsübungen absolviert.

(dpa)