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London: Erste Sturmflut an der Nordsee erwartet

London : Erste Sturmflut an der Nordsee erwartet

Die Ausläufer des Hurrikans "Gonzalo" trafen gestern vor allem Großbritannien. Über Deutschland fegte der Sturm in der Nacht.

Der erste Herbststurm verwandelt den goldenen vorerst in einen grauen Oktober. Die Ausläufer des Hurrikans "Gonzalo" haben gestern Flugreisende in Großbritannien ausgebremst. An Europas größtem Flughafen Heathrow wurden vorsichtshalber 80 Flüge von und nach London gestrichen, sagte eine Sprecherin. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde traf der Sturm besonders die Westküste Großbritanniens. Wegen überfluteter Gleise fielen in Wales Züge aus, 350 Haushalte waren ohne Strom. In Schottland blieben Fähren in den Häfen, Brücken wurden geschlossen. An der deutschen Nordseeküste wird die erste Sturmflut des Herbstes erwartet. Der Sturm soll das Wasser der Nordsee heute Mittag bis zu zwei Meter über das normale Hochwasser steigen lassen.

In Teilen Baden-Württembergs hat der Sturm gestern Abend ein Verkehrschaos ausgelöst. Mehrere Straßen wurden gesperrt. Der Bahnverkehr kam nach Angaben eines Unternehmenssprechers auf mehreren Strecken wie etwa zwischen Pforzheim und Nagold sowie zwischen Freiburg und Titisee-Neustadt vorübergehend komplett zum Erliegen. Ein Sprecher der Polizei in Stuttgart sagte: "Wir haben über 100 Einsätze, keinen Überblick, aber keine Verletzten." Auch viele andere Polizeistationen wie in Freiburg, Karlsruhe und Reutlingen meldeten umgestürzte Bäume und Zäune. Verletzt wurde nach ersten Angaben auch dort niemand.

Mindestens drei Menschen wurden jedoch bei Unwettern in England getötet. In der Londoner Innenstadt wurde bei dem Sturm eine Frau von einem umstürzenden Baum getroffen und tödlich verletzt. In Essex wurde ein Mann erschlagen, als der Wagen, den er reparierte, durch eine Böe auf ihn stürzte. In Merseyside fuhr ein Mann mit seinem Pkw gegen eine Brücke. Ein umstürzender Baum verletzte am Vormittag auch in Southwick am Ärmelkanal fünf Menschen, sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Dazu beeinträchtigten "starke Winde, sintflutartiger Regen und große Mengen an Laub" den Schienenverkehr in Großbritannien, sagte ein Sprecher des Unternehmens Network Rail.

Wegen der fallenden Temperaturen ist mit einem heftigen Wintereinbruch in höheren Lagen der bayerischen Alpen zu rechnen: Bis Freitag wird oberhalb von 1500 Metern bis zu ein Meter Schnee erwartet. Schon heute kann es ab einer Höhe von 800 Metern schneien. "Dass Oberstdorf mal kurz weiß wird, ist möglich", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Auf Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, können sogar bis zu 1,20 Meter Schnee fallen.

Auch in den Mittelgebirgen könnten die höchsten Kammlagen angezuckert sein. Auf dem Feldberg im Schwarzwald seien bis zu 20 Zentimeter Schnee möglich, prognostizierte der DWD-Experte. "Ein Wintereinbruch Ende Oktober ist nichts Ungewöhnliches. Es ist eher ungewöhnlich, dass auf der Zugspitze zu dieser Zeit kaum Schnee liegt."

(dpa/RP)