Koblenz: Entsetzen über enthaupteten Obdachlosen

Koblenz: Entsetzen über enthaupteten Obdachlosen

In Koblenz wurde die Leiche eines 59-Jährigen an seinem Schlafplatz auf dem Hauptfriedhof gefunden.

Außergewöhnlich brutal und menschenverachtend: So beschreibt der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen den Mord an einem Obdachlosen (59). Der Leichnam war auf dem Koblenzer Hauptfriedhof entdeckt worden. Das Opfer wurde enthauptet - eine bestialische Tat.

Die "Sonderkommission Hauptfriedhof" mit 35 Beamten hat nach eigenen Angaben bisher allerdings noch keine heiße Spur. Mit einem Flugblatt will sie weitere Zeugen finden. Die Aktion startet heute. Wie viele neue Hinweise aus der Bevölkerung nach einer Pressekonferenz am Donnerstag hinzukamen, ließ die Polizei offen. Ebenso wie Details zur Tat. Aus ermittlungstaktischen Gründen machten die Beamten keine genaueren Angaben zur Tat, zum Beispiel, welche Waffe verwendet wurde.

Entdeckt wurde die Leiche schon vergangene Woche an einer öffentlich zugänglichen Stelle am Pulverturm auf dem Hauptfriedhof. Der Obdachlose lebte bereits seit mehreren Jahren in diesem abgelegenen Teil des Friedhofs. Dort hatte er eine feste Stelle, an der er immer sein Lager aufschlug, sagte Kathrin Süßenbach, Leiterin der Zentralen Kriminalinspektion.

Der Mann war in Köln aufgewachsen, 1979 kam er nach Koblenz. Von 1986 bis 1997 führte er ein Geschäft in der Altstadt, in dem er Kunst und Bilderrahmungen anbot, erklärte Thomas Lauxen, Leiter der Soko "Hauptfriedhof". Danach war der 59-Jährige weitgehend wohnungslos. Diverse Zeugen schildern ihn auch als zurückhaltend, freundlich und gebildet, interessiert an Kunst und am Zeitgeschehen.

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Der ehemalige Händler legte viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres, er trank kaum oder keinen Alkohol und nahm auch keine Drogen. Er hielt sich häufig am Hauptbahnhof auf und besuchte regelmäßig Cafés, Biomärkte und Bibliotheken, wo er oft stundenlang die Zeitung las. In der Vergangenheit war er unter anderem im Sommer als Pfandsammler auf Festivals unterwegs und mietete dafür manchmal ein Auto. Auch Inhaber benachbarter Geschäfte in der Altstadt lernten ihn schon früher als intelligenten und gepflegten Menschen kennen, berichteten sie. Bei späteren Begegnungen, als er bereits auf der Straße lebte, hatte einer von ihnen den Eindruck, dass es diesem unangenehm war, so gesehen zu werden.

Eine heiße Spur gibt es bislang nicht, sagte die Polizei. In Deutschland gebe es zwar vergleichbare Fälle, Verbindungen sehen die Ermittler aber nicht, ebenso wenig wie eine Häufung von Gewalt gegen Obdachlose in Koblenz. Die Bürger in der Stadt sind besorgt, "aber es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine größere Gefahr besteht", so die Polizei.

Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, wurden nun 10.000 Euro als Belohnung ausgelobt.

(RP)