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Düsseldorf: Eiswasser-Wette bringt 58 Millionen Euro

Düsseldorf : Eiswasser-Wette bringt 58 Millionen Euro

Die Spenden für ALS-Kranke steigen durch die "Ice Bucket Challenge" rasant. Allerdings formiert sich auch Widerstand.

Grand Prix-Gewinnerin Conchita Wurst sitzt auf einem Sofa in einem Wohnzimmer, sie schüttet Eiswürfel in einen Eimer Wasser. Der Zuschauer ahnt, was jetzt kommt - die nächste "Ice Bucket Challenge". Doch anstatt sich das eiskalte Wasser wie zig andere Prominente über den Kopf zu schütten, zieht die Österreicherin ein Schild hervor, auf dem steht: "Donate twice instead of ice" ("Zweifache Spende statt Eis"). Dann löffelt sie genüsslich einen großen Becher Speiseeis.

Die "Ice Bucket Challenge" ("Eiswasser-Wette") ist ein Internet-Phänomen, das von einem an der Nervenkrankheit ALS erkrankten Amerikaner gestartet wurde und auf die Krankheit aufmerksam machen soll. Prominente und Nichtprominente filmen sich dabei, wie sie sich einen Eimer Wasser mit Eiswürfeln über den Kopf schütten, und nominieren anschließend drei Personen, die innerhalb von 24 Stunden das Gleiche tun oder 100 US-Dollar an den Forschungsverband ALS Association spenden sollen.

Viele, vor allem prominente Teilnehmer, nehmen die Herausforderung an und spenden trotzdem. So etwa "Immer wieder sonntags"-Moderator Stefan Mross, der sich am Sonntag in seiner Sendung von zwei Assistenten überschütten ließ, oder Weltmeister Bastian Schweinsteiger, dem Kinder das Wasser über den Kopf schütten durften. In Deutschland wird vermehrt auch an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke, die ALS-Forschungsstelle der Berliner Charité oder die Stiftung des 2005 an ALS gestorbenen Wolfsburger Fußballprofis Krzysztof Nowak gespendet.

Immer größer wird allerdings die Gruppe derer, die wie Conchita Wurst auf die Eisdusche verzichten. Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis verweist in einem Video zunächst auf ihre Schwangerschaft als Grund für ihre Absage, erinnert aber auch daran, dass es noch mehr Hilfsbedürftige auf der Welt gebe. Man könne sie nun ruhig "Spalter der Nation" nennen, aber sie spende lieber "still und leise".

Vizekanzler Sigmar Gabriel, der von Talkshow-Moderatorin Anne Will zu der Eisdusche aufgefordert worden war, wollte sich ebenfalls nicht vor laufender Kamera mit Eiswasser überschütten. Die Krankheit sei "viel zu ernst" und die Zeiten "auch nicht gerade fröhlich". Er bot aber an, zu Anne Will nach Hause zu kommen und sich dort der Aufgabe in privatem Rahmen zu stellen. Allerdings gelte das Angebot nur, wenn Will, genau wie er, 1000 Euro an die Berliner Charité spende.

Die ALS Association in den USA gab indes bekannt, dass von Ende Juli bis gestern Spenden in Höhe von rund 79 Millionen US-Dollar bei ihr eingegangen seien. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 2,5 Millionen. Das Plus von 76,5 Millionen Dollar entspricht rund 58 Millionen Euro.

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Auch die deutsche Gesellschaft für Muskelkranke freut sich über steigende Spenden. Gestern konnte die Organisation nach eigenen Angaben Spenden in Höhe von 20 000 Euro verzeichnen. Das sei für diese Jahreszeit ungewöhnlich viel.

Andere medizinische Verbände wie etwa die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) beobachten die Kampagne mit Interesse. "Das ist wirklich eine tolle Sache", sagt Georg Ebersbach aus dem DPG-Vorstand. Auch die Parkinson Gesellschaft überlege sich, wie sie ihr Anliegen an die Menschen herantragen könne und schließe eine ähnliche Aktion nicht aus. "Es muss allerdings die Seriosität im Vordergrund stehen", sagt Ebersbach.

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(RP)