Düsseldorf: Die Ursprünge der Menschheit

Düsseldorf: Die Ursprünge der Menschheit

In Südafrika lebte der Vormensch "Australopithecus sediba" vor knapp zwei Millionen Jahren. Neue Studien weisen darauf hin, dass er der Vorfahr aller Menschen der Gattung Homo gewesen sein könnte.

Berühmt ist er nicht. Noch nicht. Der Australopithecus sediba ist ein urzeitlicher Vormensch gewesen – der vor zwei Millionen Jahren im heutigen Südafrika gelebt hat. Entdeckt wurde diese Art im Jahr 2008, als ein internationales Forscherteam, darunter Darryl de Ruiter, Professor für Anthropologie an der Universität Texas, Fossilien von bisher unbekannten menschenähnlichen Lebewesen fand. In der Erstbeschreibung stellte das Team fest, dass der neu entdeckte Australopithecus sediba ein Nachfahre des Australopithecus africanus gewesen sein muss. Allerdings wiesen seine Zahn- und Knochenmerkmale mehr Ähnlichkeiten mit den frühesten Vertretern der Menschen, also der Gattung Homo, auf als sein Vorfahre.

Der Name "sediba" bedeutet zwar "Ursprung", doch bis jetzt war nicht geklärt, in welchem genauen Verwandtschaftsverhältnis er mit den Hominiden stand. Jetzt scheint sich die Bedeutung dieses Vormenschen zu klären: Gleich fünf Fachartikel im Magazin "Science" befassen sich mit "sediba" – und alle weisen darauf hin, dass er ein direkter Vorfahre des Menschen gewesen sei. Vermutlich stand er am Ende einer Reihe von Hominiden, die der Gattung "Australopithecus" angehörten.

Diese Gattung war eine Art Mischung aus Affen und Menschen. Zwar hatte ihr Körperbau mehr Ähnlichkeit mit den Affen, doch ging der Australopithecus aufrecht wie die Menschen. "Ihr Lebensstil war wie der von Affen", sagt de Ruiter. "Sie lebten auf Bäumen, aßen und schliefen dort." Die Forscher gehen davon aus, dass sich der Australopithecus vor zwei Millionen Jahren verändert hat – und damit zum Menschen geworden ist. Zeitgleich mit dem Australopithecus sediba lebten auch der Homo habilis und der Homo rudolfensis. Diese beiden Arten könnten ebenfalls unsere Vorfahren sein. Dennoch ist der Australopithecus sediba der wahrscheinlichere Kandidat: "Die zahlreichen fortgeschrittenen Merkmale des Gehirns und des Körpers in Verbindung mit seinem hohen Alter machen ihn zum wahrscheinlich besten Kandidaten für den Vorfahren unserer Gattung Homo", sagt Projektleiter Lee Berger von der University of the Witwatersrand in Johannesburg.

  • Schwere Unwetter : Sechs-Meter-Wellen reißen Balkone auf Teneriffa weg

Die gefundenen Fossilien wurden als eine Frau und ein Junge identifiziert. Sie wurden in der Nähe von Johannesburg in einer Höhle entdeckt. Damals nur grob datiert, hat die neue Studie das Alter dieser Relikte nun präzisiert und auf 1,977 Millionen Jahre bestimmt.

Bei der Vermessung der Schädel hätten die Fossilien Anzeichen für ein überraschend modernes, aber kleines Gehirn geliefert. Vor allem die gut entwickelte Hand des Australopithecus sediba ist ein Hinweis auf die Verwandtschaft, denn sie ähnele sehr der Hand des Homo sapiens, dem heutigen Menschen. Der Vormensch habe zudem ein sehr menschenähnliches Becken besessen, berichten die Forscher.

Dennoch ist es schwer zu bestimmen, aus welcher Gattung sich der Homo erectus, der erste Frühmensch, nun wirklich entwickelt hat. "Zusammengefasst betrachtet, präsentieren alle drei Arten Australopithecus sediba, Homo habilis und Homo rudolfensis körperliche Merkmale, die eine Entwicklung hin zum Typ des Homo andeuten", sagen die Forscher.

(RP)
Mehr von RP ONLINE