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Untersuchung der Bahn-Gewerkschaft: Zugbegleiter - ein gefährlicher Job

Untersuchung der Bahn-Gewerkschaft : Zugbegleiter - ein gefährlicher Job

Sie fahren quer durch die Republik und haben täglich Kundenkontakt – Bahnmitarbeiter arbeiten an vorderster Front. Genau das wird für die über 200.000 Mitglieder der EVG immer öfter zu einem Problem. Ihre Arbeit ist gefährlich. Die Deutsche Bahn reagiert mit Deeskalationstrainings.

Sie fahren quer durch die Republik und haben täglich Kundenkontakt — Bahnmitarbeiter arbeiten an vorderster Front. Genau das wird für die über 200.000 Mitglieder der EVG immer öfter zu einem Problem. Ihre Arbeit ist gefährlich. Die Deutsche Bahn reagiert mit Deeskalationstrainings.

Die Arbeit der Zugbegleiter ist gefährlich: Das ist das Ergebnis der kürzlich erschienenen Bahn-internen Befragung "Sicher unterwegs" im Auftrag der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Diese liegt unserer Redaktion vor.

Hierfür hatte die EVG Ende Oktober hunderte Fragebögen verschickt, auf denen die Gewerkschaftsmitglieder ihre Erfahrungen mit täglichen Pöbeleien, Aggressionen sowie körperlicher Gewalt an Bahnhöfen und Zügen beschreiben konnten.

Auswertung von 600 Fragebögen

Die EVG-Auswertung bringt frappierende Ergebnisse zutage und wirft neue Fragen bezüglich der Sicherheit von Bahn- und Bahnhofs-Mitarbeitern auf. 87 von 100 Befragten geben demnach an, bereits in eine Gefahrensituation geraten zu sein. Lediglich 13 Prozent verneinen die Frage.

Mehr als die Hälfte dieser Gefahrensituationen sind durch verbale Attacken und Beleidigungen (52 Prozent) entstanden. Die Zahl körperlicher Übergriffe und Angriffe auf die Bahn-Mitarbeiter werden laut Befragung mit 24 Prozent angegeben. Tendenz steigend, erklärt EVG-Sprecher Oliver Kaufhold. Dahinter rangieren Nötigungen (19 Prozent) und Raub bzw. Diebstahl (fünf Prozent).

Täter meist normale Fahrgäste

Entgegen aller Vermutungen geben die 600 Befragten, die ihre Ergebnisse einschickten, an, es seien vorwiegend normale Fahrgäste gewesen, die sie in eine Gefahrensituation gebracht hätten (35 Prozent). Betrunkene Personen, Obdachlose oder Bettler folgen mit 29 Prozent. Erst dann werden Schwarzfahrer (20 Prozent) genannt. Fußballfans finden mit 16 Prozent Erwähnung.

Allerdings haben nicht alle EVG-Mitglieder einen Vorfall ihrem Arbeitgeber gemeldet — aus welchen Gründen auch immer. 56 Prozent haben den Übergriff gemeldet, 44 Prozent den Weg zum Vorgesetzten gescheut. Ein möglicher Grund: 61 Prozent erklären, für sie seien in diesem Zusammenhang keine entsprechenden Meldewege eingerichtet.

75 Prozent für Kameras

Mit über zwei Drittel ist der Anteil der Mitarbeiter noch höher, die die Frage verneinen, ob ihr Arbeitgeber auf die Meldung der Gefahrensituation reagiert habe (67 Prozent; Ja: 33 Prozent). Als Reaktion darauf forderen fast 70 Prozent der Bahnmitarbeiter unter anderem ein generelles Alkoholverbot in Zügen und Bahnhöfen. Kamera-Ausstattung in allen Zügen sehen 75 Prozent als notwendig an, Freifahrt für Polizisten in Uniform mehr als 90 Prozent.

Für 2011 hatte die Deutsche Bahn erstmals einen eigenen Sicherheitsbericht vorgelegt. Auch wenn die Zahl der Körperverletzungsdelikte im vergangenen Jahr laut Statistik deutlich zurückgegangen sind, wurden mehr Straftaten gegen Bahn-Mitarbeiter gezählt (2010: 668, 2011: 748).

Sicherheitsbericht der Bahn

Der Konzern führt den Anstieg auf den erhöhten Personaleinsatz bei Sicherheit aus. "Wir finden es unerträglich, dass unsere Mitarbeiter bei ihrer Arbeit angegriffen werden", hatte Gerd Becht bei der Vorstellung des Berichts im März dieses Jahres erklärt. Da die Mehrzahl aller Fälle bei Fahrscheinkontrollen gezählt worden ist, plane das Unternehmen eitere Deeskalations- und Eigensicherungstrainings für die Mitarbeiter.

Für ihre Befragung erhielt die EVG einen Rücklauf von 601 Fragebögen. Die meisten wurden aus dem Raum Karlsruhe eingeschickt (184). Dahinter folgen Düsseldorf (62), Osnabrück (50), Dresden (36) und Dortmund (34).

Die EVG entstand vor zwei Jahren durch Fusion der Gewerkschaften Transnet und GDBA. Nach Angaben einen Sprechers hat sie derzeit 220.000 Mitglieder, 20.000 weniger als bei der Gründung.

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(nbe)