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Einsatzverbot für Rettungssanitäter: Zu dick zum Helfen

Einsatzverbot für Rettungssanitäter : Zu dick zum Helfen

Gibt es eine Gewichtsgrenze für Rettungssanitäter? Offensichtlich. Eine Funktionärin des Deutschen Fußball-Bundes hat Helfer des Deutschen Roten Kreuzes vom Platz gestellt, weil diese zu viel auf die Waage brachten. Die Betroffenen fühlen sich diskriminiert.

Er wollte seine Freizeit opfern, um ehrenamtlich den Sanitätsdienst für ein Fußballspiel zu übernehmen, doch einer Funktionärin des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) war Björn Reummen offenbar zu dick. "Sie wollte nicht, dass Leute mit meiner Leibesfülle das Spielfeld betreten", erzählt Reummen, der bei 1,86 Metern 137 Kilo wiegt. "Das würde nicht ins Erscheinungsbild des DFB passen."

Der Vorfall ereignete sich bereits im April letzten Jahres, beim EM-Qualifikationsspiel der Fußball-Damen U19 in Kevelaer. Er wurde aber erst jetzt bei einer Jahresversammlung des Deutschen Roten Kreuzes in Geldern bekannt. "Ich war völlig perplex", beschreibt Björn Reummen gegenüber der RP, wie er sich damals gefühlt hat.

Noch nicht passiert

In seinen knapp sechs Jahren beim Roten Kreuz sei ihm so etwas noch nie passiert. "Da möchte man ehrenamtlich seinen Dienst verrichten. Und dann kommt so etwas vom Veranstalter", ärgert sich der 23-Jährige. Die Äußerung habe sich angefühlt wie "ein Tritt in den Allerwertesten".

Er selbst habe kein Problem mit seiner Figur, sagt Reummen. Aber eine ebenfalls füllige Kollegin habe sich die Sache anfangs schon ein bisschen zu Herzen genommen. Die beiden kamen der Anweisung der DFB-Funktionärin Heike Ullrichs nach, hielten sich zurück und ließen ihre dünneren Kollegen machen. Reummen: "Es war ein komisches Gefühl. Theoretisch hätte ich meine Sachen packen und gehen können. Aber dann hätte das Spiel abgebrochen werden müssen, weil nicht mehr genügend Einsatzkräfte vor Ort gewesen wären."

Auch DRK-Gemeinschaftsleiter Andreas Willems war so sauer, dass er sein Team am liebsten geschlossen nach Hause geschickt hätte. Er verwarf den Gedanken aber, weil er den Vertrag mit dem DFB einhalten wollte. Etwa zwei Wochen nach dem Vorfall schrieb Willems dem Fußball-Bund einen Brief, in dem er sich über das Verhalten von Frau Ullrich beschwerte.

Im Papierkorb gelandet?

Die Antwort kam prompt - von Heike Ullrich selbst. "Ist schon komisch, dass die Frau, über die man sich beschwert, den Beschwerdebrief beantwortet. Das sieht mir sehr nach Eigenregie aus", meint Reummen. Er bezweifelt, dass ein Vorgesetzter der DFB-Frau den Brief zu Gesicht bekommen hat. Seine Vermutung: Das Schreiben ist in Ullrichs Papierkorb gelandet.

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Ein Verdacht, dem Maximilian Geis von der DFB-Pressestelle widerspricht. "Ich gehe davon aus, dass der Vorgesetzte von Frau Ullrich das Beschwerdeschreiben gelesen hat, bevor sie es beantwortete", sagt er. Auch die Auffassung, Dicke würden nicht ins Erscheinungsbild des DFB passen, weist er von sich: "Die Sanitäter erfüllen lediglich ihre Funktion. Dabei ist es egal, ob sie dick oder dünn sind."


Heike Ullrich selbst will sich nicht mehr daran erinnern können, ob sie die DRK-Mitarbeiter bezüglich ihrer Körperfülle kritisiert hat. Sie weiß nur noch, dass sie unzufrieden mit der Schnelligkeit der Sanitäter war. "Der DFB muss bei solchen Spielen im Auftrag der Uefa einen ordnungsgemäßen Sanitätsdienst sicherstellen", erklärt Ullrich. "Dazu gehört, dass die Rettungshelfer schnell zu einem verletzten Spieler oder in diesem Fall einer verletzten Spielerin rennen. Eine Sanitäterin war damals aber viel zu langsam."

Die DFB-Vertreterin hatte sich offenbar darüber geärgert, dass die Rettungshelfer eine verletzte Spielerin am anderen Ende des Platzes nicht im vorgeschriebenen Tempo erreicht hatten. Eine Erklärung, die Andreas Willems nicht zufrieden stellt. Seiner Meinung nach machen auch seine "fülligeren Helfer" den Job tadellos. Den DRK-Gemeinschaftsleiter ärgert vor allem, dass Heike Ullrich sich bis heute nicht entschuldigt hat. "Sie hat in dem Schreiben ihr Verhalten bloß gut geredet." Dass ihr ihre beleidigende Äußerung leid täte, habe die DFB-Funktionärin mit keinem Wort erwähnt.

(Rheinische Post)