Klärendes Gespräch: Zollitsch und Leutheusser-Schnarrenberger treffen sich im April

Klärendes Gespräch: Zollitsch und Leutheusser-Schnarrenberger treffen sich im April

Frankfurt/Main (RPO). Bewegung im Streit zwischen Kirche und Staat über die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen: Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, haben sich auf einen Termin für ein persönliches Gespräch geeinigt. Das teilte das Bundesjustizministerium am Montag in Berlin mit.

Das Treffen soll am 15. April in Berlin stattfinden, wie der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Nachrichtenagentur DAPD sagte. Es sei der frühestmögliche Zeitpunkt für ein Zusammentreffen.

Bei dem Termin soll es laut dem Justizministerium auch darum gehen, in welcher Form die bisherige Praxis der Kirche aufgearbeitet und künftigen Missbrauchsfällen möglichst vorgebeugt werden solle. Zwischen Erzbischof Zollitsch und Leutheusser-Schnarrenberger gab es Verstimmungen, nachdem die Ministerin der Kirche mangelnde Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlungsbehörden vorgeworfen hatte.

Kanzlerin Angela Merkel lobte am Montag ausdrücklich die Rückendeckung des Papstes für die Bemühungen der Kirche um Aufklärung der Fälle. Die Bundeskanzlerin sehe es als "gutes Zeichen, dass die Bemühungen der Kirche um Aufklärung ausdrücklich die Rückendeckung des Vatikans haben", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans. Merkel gehe es aber nicht nur um den Bereich der katholischen Kirche, sondern um "eine gesamtgesellschaftliche Debatte". Um sie produktiv zu führen, sei es wichtig, "dass die Initiativen gut und kollegial vorangehen".

Papst für "Null-Toleranz-Politik"

Papst Benedikt XVI. wird sich nach Aussage eines Vertrauten bald "klar und entschieden" zu Missbrauchsfällen äußern. Dabei gehe es um die Vorfälle in Irland, wie Erzbischof Rino Fisichella italienischen Medienberichten zufolge sagte. Bereits in Kürze werde dazu ein Brief des Kirchenoberhaupts veröffentlicht. Die "Null-Toleranz-Politik", die der Papst einführen wolle, sei eine moralische Verpflichtung. Ob sich das Kirchenoberhaupt wie mehrfach gefordert auch zu den Missbrauchsfällen in seinem Heimatland Deutschland äußern wird, sagte Fisichella nicht.

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In Deutschland kritisierten die katholische Jugend und die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" das Schweigen des Papstes zu den Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen in Deutschland beim Angelus-Gebet vom Wochenende.

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, erklärte dazu, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle sei Sache der deutschen Bischöfe. Papst Benedikt habe sich dazu schon wiederholt und sehr eindeutig geäußert, sagte er im ARD-Mittagsmagazin. Am wichtigsten seien jetzt "totale Offenheit und als erste Priorität die Zuwendung zu den Opfern".

Erziehungswissenschaftler entsetzt über Missbräuche

Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft äußerte sich über die vielen Missbrauchsfälle in Schulen und Internaten entsetzt. Es sei erschreckend, dass es trotz der Demokratisierung von Schule ab Mitte der 60er Jahre weiter Gewalt gegen Kinder gegeben habe, auch "im Gewand der Reformbestrebungen". Der Soziologe Oskar Negt griff den Pädagogen Hartmut von Hentig an, der den früheren Leiter der Odenwaldschule, Gerold Becker, in Schutz genommen hatte. Der Schriftsteller Adolf Muschg verteidigte Becker dagegen und sprach von einer "monumentalen Heuchelei".

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(apd/sdr)