Zapfenstreich zum Abschied Bundeswehr-Orchester von Merkels Liedwünschen überrascht

Berlin · Die Musikerinnen und Musiker hätten nur wenig Zeit für die Proben gehabt. Das Stück „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Punk-Sängerin Nina Hagen habe innerhalb von zwei Tagen neu für ein Blasorchester arrangiert werden müssen. Es war im Archiv bisher nicht vorhanden.

 Angela Merkel (CDU) kommt vor Schloss Bellevue zum Zapfenstreich für Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Am 2. Dezember verabschiedet sich die Bundeswehr mit einem Zapfenstreich von ihr selbst.

Angela Merkel (CDU) kommt vor Schloss Bellevue zum Zapfenstreich für Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Am 2. Dezember verabschiedet sich die Bundeswehr mit einem Zapfenstreich von ihr selbst.

Foto: dpa/Michael Hanschke

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit ihren Musikwünschen für den Großen Zapfenstreich am Donnerstag in Zeitdruck gebracht. „Die Wünsche kamen spät und haben mich überrascht“, sagte Dirigent und Oberstleutnant Reinhard Kiauka der Tageszeitung „taz“ (Donnerstag). „Wir hatten neun Tage Vorlauf. Das ist sportlich.“

Neben dem Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“ probt das Stabsmusikkorps „Für mich soll's rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef und den Song „Du hast den Farbfilm vergessen“, mit dem die Punk-Sängerin Nina Hagen 1974 in der DDR einen Hit landete. „Die beiden Songs sind in unserem Notenarchiv nicht vorhanden“, so Kiauka. Binnen zwei Tagen sei der Hagen-Titel neu für ein Blasorchester arrangiert worden. Für das Knef-Stück hätten zumindest bei einem Musikverlag Blasmusiknoten vorgelegen.

Beim Zapfenstreich ist die Instrumentierung mit Blasinstrumenten und Schlagwerken festgelegt. „Das entsprechende Arrangieren moderner Titel ist eine hohe Kunst“, sagte Kiauka. Aber dadurch entstehe oft eine ganz eigene Version - „und das kann auch seinen Reiz haben“.

Die Bundeswehr verabschiedet sich am Donnerstag ab 19.30 Uhr mit einem Großen Zapfenstreich, der höchsten militärischen Würdigung in Deutschland, von der geschäftsführenden Kanzlerin. Anders als sonst wird es wegen der Corona-Pandemie aber keinen Empfang und eine deutlich geringere Zahl an Gästen geben. Als Ehrengast wird nach Angaben des Verteidigungsministeriums Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet. Die Zeremonie soll live im Fernsehen übertragen werden.

(mcv/dpa)
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