Youtuber "Held der Steine" - "Ich fragte Lego: Ist das Euer Ernst?“

Interview mit Thomas Panke, dem „Held der Steine“: „Ich fragte Lego: Ist das Euer Ernst?“

Seit der YouTuber Thomas Panke Post von einem Lego-Anwalt bekam, befürchten Fans, der Konzern wolle einen prominenten Kritiker zum Schweigen bringen. Panke selbst glaubt, die Wahrheit sei viel simpler.

Herr Panke, Sie haben Post von einem Lego-Anwalt bekommen. Wie haben Sie darauf reagiert?

Thomas Panke: Ich war verblüfft. Seit inzwischen sechs Jahren betreibe ich das Lego-Fachgeschäft „Held der Steine“, seit 2014 auch einen gleichnamigen YouTube-Kanal. Und in all der Zeit hat sich Lego noch nicht ein einziges Mal um Kontakt zu mir bemüht.

Bis jetzt.

Panke: Am 9. Januar habe ich einen Brief von einer der größten Anwaltskanzleien der Welt bekommen. Keine Abmahnung im eigentlichen Sinne. Nur die Aufforderung, ich solle meine Wort-Bild-Marke löschen – mein Logo war bislang der Schriftzug „Held der Steine“ in einem Baustein. Das habe ich nun auch getan. Zwar höre ich von vielen Seiten, dass ich in einem Rechtsstreit wohl gute Karten hätte – aber das durchzufechten wäre mir schlicht zu blöd.

In Ihren Videos kritisieren Sie Lego teils massiv. Deshalb interpretieren hunderte von Fans den Brief als Versuch, Sie einzuschüchtern.

Panke: Das sehe ich anders, dahinter steckt keine Boshaftigkeit von Lego – bloß Dusseligkeit. Ich glaube nicht an eine Einschüchterungskampagne. Ich fürchte, bei Lego weiß schlicht die eine Hand nicht, was die andere tut. Der Absender ist eine der größten Anwaltskanzleien der Welt, aber das Schreiben selbst war keine besonders große Sache, sondern ein Standardbrief, unterzeichnet vom Fachanwalt, an mich adressiert vermutlich von einem armen Azubi.

Wie haben Sie reagiert?

Panke: Ich habe Lego gefragt, ob das deren Ernst sei, diese Art der Ansprache. Das stört mich. In der Sache gibt es ja letztlich kein Problem. Ich verstehe, dass Lego seine Marke schützen will. Seit ich weiß, dass sich der Konzern an meinem bisherigen Logo stört, habe ich es geändert. Das Erdmännchen mit Superhelden-Umhang, das ich nun benutze, finde ich ohnehin viel cooler.

Aber…?

Panke: Aber eine freundliche Frage hätte es doch getan. Ich bin mir absolut sicher, dass wir das am Telefon schnell hätten klären können. Der Anwalt hätte sogar bei mir vorbeikommen können. Die Kanzlei sitzt hier in Frankfurt, nur eine Minute von meinem Lädchen entfernt. Kaum mehr als einen Legosteinwurf.

Wie hat Lego Ihre Rückfrage beantwortet?

Panke: Mir wurde die Echtheit des Schreibens bestätigt; die Kanzlei sei in der Tat auf Anweisung von Lego tätig. Mehr nicht. Ich habe dem Konzern noch eine weitere Woche Zeit gegeben. Dann erst habe ich das Video aufgenommen und hochgeladen, in dem ich meine Sicht des Vorgangs schildere.

Lego hätte also ahnen können, dass ein Shitstorm auf sie zukommt? Auf die heftigen Reaktionen bei Facebook und Twitter seit Sonntagmittag reagiert der Konzern bis jetzt (Montagnachmittag; Anm. d. Red.) mit lautem Schweigen.

Panke: Spätestens seit meiner Rückfrage am 10. Januar, vor anderthalb Wochen. Ich bin auch verblüfft: Entweder sitzt da keiner, der sich Gedanken macht - oder er stößt beim Lego-Management auf taube Ohren.

Inzwischen kann Lego kaum noch anders, als sich bei Ihnen zu entschuldigen. Würden Sie eine Bitte um ein Versöhnungsgespräch annehmen?

Panke: Ich unterhalte mich immer gern, vor allem über Lego! (lacht) Aber ich bezweifle schwer, dass das passieren wird. Unterm Strich war ich eine der größten Werbefiguren für Lego. Nun habe ich meine Geschäftsbeziehungen zum Konzern abgebrochen und werde mehr von anderen Kleinhändlern kaufen. Bei YouTube werde ich weiterhin Lego-Bausätze vorstellen – aber auch Produkte von konkurrierenden „Klemmbaustein“-Herstellern. Es sei denn, es sind reine Klone kompletter Lego-Sets. Das ist eine Schweinerei, das gehört sich nicht.

Das sagt der „Held der Steine“ über Lego noch: „Gedankenlos und von Gier getrieben“

Am späten Montagabend erklärte ein Konzernsprecher in einer kurzen Mail an unsere Redaktion, man beschäftige 20 Mitarbeiter, die sich um erwachsene Fans kümmerten. Den Schutz seiner Markenrechte nehme Lego "sehr ernst" und wolle sicherstellen, dass kein Dritter ähnliche Marken offiziell anmelde. Zum konkreten Fall wolle man sich nicht äußern. Problematisch fand man aber offenbar Pankes altes Logo, das an die geschützte 3D-Darstellung eines Legosteins mit vier Noppen angelehnt war.

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