Youtube-Video: Wie Fußgänger auf Nazi-Pöbeleien reagieren

Versteckte Kamera : Wie Fußgänger auf Nazi-Pöbeleien reagieren

Zwei Rechtsextreme beschimpfen und bedrohen einen Ausländer. Alle drei sind Schauspieler, die Reaktionen der Passanten haben sie mit versteckter Kamera festgehalten. Während manche beherzt einschreiten, gehen andere einfach weiter – mit den seltsamsten Ausreden.

Zwei Rechtsextreme beschimpfen und bedrohen einen Ausländer. Alle drei sind Schauspieler, die Reaktionen der Passanten haben sie mit versteckter Kamera festgehalten. Während manche beherzt einschreiten, gehen andere einfach weiter — mit den seltsamsten Ausreden.

Bomberjacke, Mütze und Springerstiefel, aggressiver Blick und pöbelnder Ton. Diesen beiden Herren geht man wohl lieber aus dem Weg. Was aber, wenn sie in aller Öffentlichkeit einen Ausländer beschimpfen? Zivilcourage zeigen und einschreiten oder Kopfhörer aufziehen und weitergehen? Der Frage ist Youtuber Leon Machère in seinem Video-Experiment in Hamburg nachgegangen.

Mehrfach gehen die zwei Schauspieler ihr vermeintliches Opfer an, bepöbeln den Mann dabei so lautstark, dass alle Passanten in der Umgebung es mitbekommen müssen und so ungewollt zu Beteiligten der Szene werden. "Die Problematik mit den Flüchtlingen wird immer größer und hört nicht auf. Deswegen haben wir uns überlegt, zu Dritt ein kleines Experiment auf der Straße zu machen und zu testen, wie die Leute reagieren", sagt Leon Machère.

Die Reaktionen könnten tatsächlich unterschiedlicher nicht sein. Da gibt es die Gruppe derer, die Zivilcourage zeigen und einschreiten. Eine Frau, die andere Fußgänger zum Stehenbleiben auffordert. "Ich zittere tierisch, habe Angst gehabt", gibt sie später zu. Ein Passant, der gerade auf einem Segway vorbeigefahren kommt, umdreht und die beiden Pöbler auffordert, den Mann in Ruhe zu lassen. Schnell gesellen sich weitere Fußgänger dazu, die Situation spitzt sich zu, als einer der Helfer droht: "Ich warte, bis du den ersten Schlag machst und dann hau ich dich so weg." Als ein Polizist dazukommt, löst sich die Situation auf.

"Ich hoffe, das Video zeigt, dass man in solch einer Situation sofort handeln muss", erklärt Machère. Denn es gibt eben auch die andere Gruppe: Diejenigen, die einfach wegschauen und weitergehen. Ein Mann sitzt neben dem Spektaktel auf einer Bank und isst eine Banane, ein anderer geht einfach vorbei. Darauf angesprochen, warum er nicht eingeschritten sei, antwortet dieser: "Weil ich nach Hause möchte."

Das Video ist zum viralen Hit geworden, mehr als 1,1 Millionen Mal angeklickt worden. Schon öfter hat Leon Machère, dem auf Youtube knapp 670.000 Menschen folgen, mit ähnlichen Videos versucht, die Menschen aufzurütteln. "Ich habe auch keine deutschen Wurzeln und das ganze vor 22 Jahren selbst mit meiner Familie durchgemacht. Ich aber hatte das Glück, in Deutschland aufzuwachsen, und das tun zu können, worauf ich Lust habe."

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