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Würzburg: "Unklar, ob Messerangreifer in Würzburg ein Terrorist war"

24-Jähriger lebte zuvor in Düsseldorf : „Unklar, ob Messerangreifer in Würzburg ein Terrorist war“

Mitten in Würzburg sticht ein Mann ihm unbekannte Menschen nieder. Drei Frauen können nicht gerettet werden. Der Druck auf die Ermittler wächst, möglichst rasch ein Motiv zu präsentieren. Bayerns Innenminister sieht Indizien für einen islamistischen Hintergrund.

Ob der Messerangreifer von Würzburg ein Terrorist war, lässt sich nach den Worten des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann derzeit noch nicht sagen. „Das lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt so noch nicht beurteilen“, sagte der CSU-Politiker am Montag im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF. Der 24-Jährige sei zeitweise in psychiatrischer Behandlung gewesen. Zugleich gebe es Hinweise darauf, dass er sich islamistisch geäußert habe. „Wir können da heute noch kein abschließendes Urteil abgeben.“

Messerattacke in Würzburg: Verdacht auf islamistisches Motiv

Der 24-Jährige soll nach Angaben des Innenministers Herrmann im Mai 2015 nach Deutschland gekommen sein und auch in Düsseldorf gelebt haben. In Würzburg lebte er seit 2019.

Der Verdächtige hatte am Freitagnachmittag in Würzburg drei Frauen, die er offensichtlich nicht kannte, mit einem Messer getötet. Zudem verletzte er sieben weitere Menschen, fünf davon schwebten nach der Attacke in Lebensgefahr. Allen Überlebenden gehe es zwar besser, sagte Herrmann. Allerdings könne es sein, dass einige Opfer langanhaltende Schäden haben werden.

Die in der Obdachlosenunterkunft des Somaliers gefundenen Handys und Schriftstücke müssten noch ausgewertet und bewertet werden. Nach Herrmanns Worten war nicht zu erkennen, dass der polizeibekannte 24-Jährige „zu einer derartig brutalen, gemeingefährlichen Tat schreiten könnte“. Es müsse alles sorgfältig aufgearbeitet werden.

Der Bayern-2-„Radiowelt“ sagte Herrmann, die bisherigen Auffälligkeiten des Verdächtigen hätten nicht für eine Abschiebung gereicht, da es keine Strafanzeigen gegeben habe. Der Migrant hat einen subsidiären Schutzstatus, er hält sich also legal in Deutschland auf.

Der Minister hatte bereits kurz nach der Messerattacke der Deutschen Presse-Agentur gesagt, es gebe Indizien dafür, „dass es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte“. Am Sonntagabend sagte er im „Bild live“-Talk „Die richtigen Fragen“: „Es spricht sehr viel angesichts dessen, was wir aufgefunden haben, dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könnte.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bei einer Gedenkfeier am Sonntag in der Mainstadt von einem brutalen und verstörenden Verbrechen. „Wo liegt der Sinn dahinter?“ Viele Menschen fragten nach dem Warum. „Wir dürfen eine solche hasserfüllte Tat niemals mit Hass oder Rache beantworten“, sagte er. „Gut und Böse sind keine Frage von Religion oder Nationalität oder Ethnie.“

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Er warnte davor, sich vor dem Ende der Ermittlungen in Vorverurteilungen und Mutmaßungen zu verlieren. „Über die Hintergründe der Tat wird viel spekuliert.“ Es müsse alles aufgearbeitet werden, gegebenenfalls Konsequenzen gezogen werden, „nicht nur individuell, sondern vielleicht darüber hinaus“. Aber es werde leider nie ganz gelingen, solche Taten zu verhindern. „Es tut mir echt unendlich leid“, sagte er zu den Angehörigen.

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: „Gerade jetzt halte ich für wichtig, jedem Versuch zu widerstehen, unsere Gesellschaft zu spalten.“

Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) gedachte der Opfer – und lobte den Mut der Helfer. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen und auch bei den mutigen Menschen, die mit viel Zivilcourage eingegriffen haben“, sagte Strobl der dpa am Sonntag. „Wir werden der Gewalt nicht weichen, sondern unsere freiheitliche Gesellschaft mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen.“ Baden-Württemberg stehe an der Seite von Bayern.

Der Verdächtige sitzt wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall in Untersuchungshaft. Der 24-Jährige war schon vor der Tat wegen Bedrohung und Beleidigung polizeibekannt, er kam deshalb zeitweise in eine Psychiatrie.

Der Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, verlangte eine bessere Ausstattung des psychiatrischen Bereichs. „Auf vielen Ebenen haben wir erhebliche Probleme mit psychisch erkrankten Menschen. So waren 35 Prozent der zwischen 2000 und 2015 allein handelnden Attentäter psychisch erkrankt“, sagte er der Funke Mediengruppe.

Die Stadt Würzburg hat im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt, in dem Bürgerinnen und Bürger ihr Mitgefühl für die Opfer und Angehörigen der Messerattacke ausdrücken können. Ihre Anteilnahme bekundeten unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CSU), die am Sonntag auch an einer Gedenkfeier im Dom der bayerischen Mainstadt teilgenommen hatten.

(c-st/lha/dpa)