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Der "George Clooney des Vatikan": Wird Georg Gänswein Erzbischof von München?

Der "George Clooney des Vatikan" : Wird Georg Gänswein Erzbischof von München?

München (RP). Bald entscheidet sich, wer den bedeutenden Stuhl des Erzbischofs von München und Freising erklimmt. Prälat Georg Gänsweins Berufung wäre eine Sensation, beste Chancen hat jedoch Ludwig Schick (Bamberg).

Hinter den Mauern des Vatikans und im katholischen Deutschland hält sich ein Gerücht, das, wenn es wahr würde, eine kirchenpolitische Sensation wäre. Das Gerücht lautet, dass Papst Benedikt XVI. seinen umsichtigen und theologisch versierten Sekretär, Prälat Georg Gänswein, in Kürze zum Erzbischof von München und Freising befördert.

Der "schöne Don Giorgio", wie sie Georg Gänswein am Tiber nennen, dieser unerreichbare Schwarm mancher römischen Signora an der Spitze der neben Köln bedeutendsten deutschen Diözese der römischen Weltkirche? Die einen sagen dazu, damit würde der Papst mit spektakulärem Hieb den Knoten durchschlagen, der durch die altersbedingte Abberufung von Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter, der im Februar 80 wird und derzeit sein eigener Amtsverweser ist, entstanden ist.

Andere wenden gegen die Gänswein-Spekulation bayerisch derb ein: "Ein Schmarrn". Erstens werde der 80 Jahre alte Papst seinen gescheiten ersten Gehilfen nicht missen wollen. Schon gar nicht werde Benedikt XVI. riskieren, einen Nicht-Bischof, einen mit der Leitung einer Diözese unerfahrenen 51-Jährigen zu betrauen. Außerdem, so heißt es weiter in Bayern, sei Gänswein Badener, also kein bayerischer Geistlicher. Das war zwar auch der Pfälzer Wetter nicht, aber das Bistum Speyer, aus dem er 1982 nach München gekommen war, gehört zur so genannten Freisinger oder auch bayerischen Bischofskonferenz.

Laut Bayern-Konkordat ist der Papst völlig frei, wen er zu seinem Nach-Nachfolger auf den erzbischöflichen Stuhl München-Freising beruft. Es wählt, anders als laut Preußen-Konkordat, kein Domkapitel aus einer vatikanischen Dreier-Liste aus.

Dem vor kurzem zur Audienz in Rom weilenden neuen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein gegenüber hat der Pontifex angedeutet, dass seine Entscheidung noch etwas Zeit benötige. Die besten Chancen werden gegenwärtig dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick eingeräumt. Dem Vernehmen nach steht der 58-Jährige auch auf einer noch vom früheren päpstlichen Nuntius in Deutschland, Ender, erstellten inoffiziellen Kandidaten-Liste. Aber auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller (59) soll in diesem Orientierungspapier aufgeführt sein. Schick und Müller sind Professoren der Theologie, mit profundem weltkirchlichem Engagement obendrein.

Angeblich soll das Ender-Papier bei der vatikanischen Bischofs-Kongregation zusätzlichen Fragebedarf ausgelöst haben. Das könnte daran liegen, dass der lange Zeit mutmaßliche römische Favorit Müller zuletzt wegen ungeschickter Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit einem pädophilen Priester Bedenken gegen seine Eignung für Höheres ausgelöst hat. Schick gilt im Vergleich zu dem sperrigen Konservativen Müller als geschickter, versöhnlicher, aber auch als unauffälliger. Letzteres kann man von Bischof Walter Mixa (66) nicht behaupten. Dass jedoch Mixa noch einmal befördert wird, nachdem er erst Ende 2005 vom kleinen Bistum Eichstätt auf die größere Diözese Augsburg gewechselt war, ist doch eher unwahrscheinlich.

Ebenso erscheint die Berufung des obersten Benediktiners, Abtprimas Notker Wolf (68), als wenig wahrscheinlich. Der bayerische Mönch soll signalisiert haben, dass er kein Diözesanbischof werden wolle. Auch heißt es, Wolf liege theologisch, anders als Müller, nicht auf Joseph Ratzingers/Benedikts Wellenlänge.

Die in Deutschland mit Spannung erwartete Personalentscheidung von Papst Benedikt XVI. ist zusätzlich von Belang, weil der "Neue" nicht nur aus alter Tradition bald auch den Kardinalspurpur erhielte, sondern 2011 erster Anwärter auf die Nachfolge von Kardinal Lehmann (71) im Vorsitz der katholischen Deutschen Bischofskonferenz wäre.