Interview mit Nikolaus Schneider zum Kirchentag "Wir sind nicht mehr in der Wagenburg"

Hamburg · Der Evangelische Kirchentag in Hamburg ist am Sonntagvormittag zuende gegangen. 130.000 Menschen kamen zum Abschlussgottesdienst. Im Gespräch mit unserer Redaktion zieht Nikolaus Schneider Bilanz, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und frühere rheinische Präses.

Haben Sie sich auf dem Hamburger Kirchentag eigentlich irgendwo so richtig gestritten?

Schneider: Ich habe an einem Streitgespräch über Waffenexporte teilgenommen. Da war der Geschäftsführer des Bundesverbands der Verteidigungsindustrie vertreten, und da wurde sehr deutlich kontrovers diskutiert.

Insgesamt sind die Kirchentage aber deutlich streitunlustiger geworden.

Schneider: Die Formen haben sich geändert. Es wird durchaus noch Klartext geredet. Aber die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören und auch sich selbst infrage zu stellen, ist viel größer als vor 20 oder 30 Jahren. Wir sitzen nicht mehr in der Wagenburg und kritisieren alles, was von außen kommt.

Warum gab es dann trotzdem so viel Konsens?

Schneider: Das liegt immer auch daran, wer sich der Diskussion stellt. Der Kirchentag hat breit zur Diskussion der Finanzmarktkrise eingeladen. Dann brauchen wir aber auch Menschen aus dieser Branche, die bereit sind zu kommen. Bei den Kriegswaffen war das jedenfalls der Fall.

Thema kirchliches Arbeitsrecht: Verdi hat Verfassungsbeschwerde gegen das jüngste Urteil des Bundesarbeitsgerichts eingelegt. Gibt es jetzt überhaupt noch Chancen auf Annäherung?

Schneider: Noch hat Karlsruhe die Beschwerde von Verdi gar nicht zugelassen. Ich will die Hoffnung auf eine Annäherung nicht aufgeben. Kirche und Diakonie sind jedenfalls bereit, sich zu bewegen, wir sind bereit, Satzungen und Ordnungen zu ändern. Wir wollen unsere Hausaufgaben machen, die uns das Erfurter Urteil aufgegeben hat.

Frank Vollmer führte das Gespräch

(csr)