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Streifzug über die Spielemesse in Essen: Wer spielt mit?

Streifzug über die Spielemesse in Essen : Wer spielt mit?

Geschmäcker sind so verschieden wie die Spielvariationen, die es auf der Spielemesse in Essen zu entdecken gibt. Genauso unterschiedlich sind die Besucher, die sich hier ihrem Spieltrieb hingeben. Ein Überblick.

48.000 Quadratmeter Spieleparadies liegen vor jedem, der es durch den dicht belagerten Eingang in die Essener Messehallen geschafft hat. 800 Neuheiten gilt es zu entdecken.

"Da ist wohl für jeden Geschmack was dabei", werben die Veranstalter für die weltgrößte Messe für Gesellschaftsspiele.

Wer sich zwischen den tausenden Menschen umschaut, die sich durch die Gänge schieben und an unzähligen Spieltischen ihr Glück versuchen, muss einsehen: Die Spielewelt ist so bunt wie ihr Publikum.

Die Fantasten: Eins werden mit der Spielewelt

"Mit dem Speer greift der Kriegsmagier den Moloch von Khador an!" Es herrscht Krieg auf dem kleinen Spieletisch vor Michael Mingers. Dort kämpfen düstere Wesen um die Vorherrschaft in einer Art Eisenbahnlandschaft - nur ohne Eisenbahn.

Der Spieleredakteur führt ein in "Warmachine", ein Strategiespiel mit Miniatur-Kämpfern, ein sogenanntes Table-Top-Spiel. Sein Mitspieler heißt Janos Joo. Der 36-Jährige beschränkte sich bisher darauf, die kleinen Figuren auf dem Spielfeld kunstvoll zu bemalen.

Auf der Spielemesse will er tiefer einsteigen in diese fantastische Welt, vielleicht mehr Zubehör kaufen, Mitspieler finden. Doch die Regeln und Möglichkeiten solcher Spiele seien sehr komplex. "Das ist Schach für Fortgeschrittene. Nur mit mehr Kreativität. Ich kratze da erstmal nur an der Oberfläche."

Besuch aus aller Welt: Internationale Strategen

Walit Panpoonsup und seine vier Freunde haben mehr als 9000 Kilometer zurückgelegt, um auf der Spielemesse Gleichgesinnte zu treffen.

Zuhause im thailändischen Bangkok hat er vor einigen Jahren "Funkenschlag" für sich entdeckt und ist seitdem Fan komplexer Spiele. In dem Brettspiel von Autor Friedemann Friese betätigen sich die Spieler als Strommogule, müssen Elektrizitätswerke bauen und Brennstoffe einkaufen.

"Früher kannten wir ja nur Monopoly", sagt er und lacht. Da darf es gerne ein bisschen komplexer sein. Was er mag? "Bei "German Board Games" muss man weit vorausdenken. Und im Gegensatz zum Computerspiel sitzen dir die Mitspieler gegenüber, man kann bluffen und sich gegenseitig necken."

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Die passionierten Spielexperten: Ausstattung und Austausch zählen

Es ist kaum Mittagszeit und schon muss Beatrix Schilke einen ganzen Kinderwagen voll Spielekartons ins Auto bringen. Sie spielt, seit sie ein Kind ist, und ihre Leidenschaft hat die ganze Familie gepackt.

"Wir spielen querbeet und immer wenn Zeit ist. Besonders gerne aber toll ausgestattete Brettspiele", sagt sie. Hier habe sich einiges getan. "Die Qualität wird immer besser."

Doch die nächsten vier Tage geht es nicht nur ums Kaufen. Im Internet ist sie über eine Plattform mit Spielern aus aller Welt verbunden. "Viele treffe ich heute das erste Mal in echt."

Gemeinsam wollen sie dann ausprobieren, was es neues für die Sammlung geben könnte: "Ich habe eine Liste mit 100 Spielen, die ich testen will." Also erstmal die Beute des Vormittags ins Auto bringen.

Die Zockerfamilien: Auf der Suche nach dem besten Familienspiel

Auch für Familie Patzner aus Grevenbroich ist der Besuch auf den Spieltagen ein Muss. Tochter Franziska, heute 11 Jahre alt, wurde schon im Kinderwagen über die Messe geschoben.

"Wir sind mit Geschwistern eine große Familie und wenn wir zusammenkommen, wird eigentlich immer gespielt", sagt Mutter Angela. Weil die jüngste Nichte erst sechs Jahre alt ist, sind es meist Familienspiele, die kurzweilig und ohne komplexe Anleitungen sind.

"Ich mag es, schnell zu Lösungen zu kommen", sagt Franziska. Eines ihrer Lieblingsspiele ist daher "Geistesblitz", ein rasantes Reaktionsspiel.

Was dieses Jahr neu ins Regal kommen könnte, steht noch nicht fest. Klar ist: Mit leeren Taschen werden auch die Patzners nicht nach Hause fahren.

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(dpa)