Aufgrund von Kälte und Grippewelle Weniger Lkw auf deutschen Autobahnen unterwegs

Berlin/Düsseldorf · Ökonomen haben die Lkw-Fahrleistung auf deutschen Autobahnen beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass es den stärksten Rückgang im Vergleich zum Vormonat in Niedersachsen gab. Wie es mit Fahrten von und ins Ausland aussieht.

 Solche Bilder gab es Ende 2022 seltener: Wegen der Grippewelle und tagelangen Minus-Temperaturen ist der LKW-Verkehr auf deutschen Autobahnen so stark eingebrochen wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr.

Solche Bilder gab es Ende 2022 seltener: Wegen der Grippewelle und tagelangen Minus-Temperaturen ist der LKW-Verkehr auf deutschen Autobahnen so stark eingebrochen wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr.

Foto: dpa/Uwe Lein

Der Lkw-Verkehr auf den deutschen Autobahnen ist im Dezember 2022 wegen der Grippewelle und tagelangen Minus-Temperaturen so stark eingebrochen wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen nahm kalender- und saisonbereinigt um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat ab. „Dies ist der stärkste Rückgang seit dem Einbruch der Fahrleistung im April 2020 infolge der Corona-Pandemie“, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel das Minus mit 6,1 Prozent noch größer aus. „Der deutliche Rückgang im Dezember 2022 dürfte unter anderem durch den Wintereinbruch und hohe Krankenstände bedingt sein“, sagten Statistiker.

Neben der Corona-Pandemie sorgten die Grippewelle und andere Atemwegserkrankungen zuletzt für volle Kliniken und viele Arbeitsausfälle. Der durch die aktuelle Grippewelle verursachte Krankenstand könnte die deutsche Volkswirtschaft im schlechtesten Fall – wenn die Welle weiter ansteigt und lange andauert – über 40 Milliarden Euro kosten, ergaben Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

In Niedersachsen war der Rückgang der Lkw-Maut-Fahrleistung am stärksten

Die Lkw-Fahrleistung auf Autobahnen wird von Ökonomen genau beobachtet: Sie liefert frühe Hinweise zur aktuellen Konjunkturentwicklung in der Industrie, da wirtschaftliche Aktivität auch Verkehrsleistungen erzeugt und benötigt. „Das deutliche Minus beim Mautindex ist sicherlich ein Signal, das man im Auge behalten sollte“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. „Allerdings reicht es mir nicht aus, jetzt schon eine deutliche Verschlechterung der Industrieproduktion auszurufen, die sich bisher ja wegen der hohen Auftragsbestände sehr gut gehalten hat.“ Der Zusammenhang zwischen Mautindex und Produktion sei zwar beim Trend recht stark, bei den einzelnen Monatswerten allerdings eher schwach.

Regional fiel der Rückgang zum Jahresende allerdings stark unterschiedlich aus. Den größten Einbruch der Lkw-Maut-Fahrleistung gab es in Niedersachsen mit minus 6,5 Prozent zum Vormonat, gefolgt von Bayern (-5,0), Thüringen und Sachsen (jeweils -4,8). In Baden-Württemberg (-1,1 Prozent), Rheinland-Pfalz und Saarland (jeweils -1,3) fiel der Rückgang dagegen unterdurchschnittlich aus.

Weniger Lkw aus und nach Tschechien und Dänemark gefahren

Der grenzüberschreitende Verkehr – der die Zahl der Ein- und Ausfahrten über die deutsche Grenze misst – nahm im vergangenen Monat um 4,8 Prozent ab. „Bei den grenzüberschreitenden Fahrten aus und nach Tschechien gab es den stärksten Rückgang“, hieß es. Hier wurde ein Minus von 8,3 Prozent registriert. Auch der grenzüberschreitende Lkw-Verkehr aus und nach Dänemark (-8,1 Prozent) nahm stark ab.

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommerquartal trotz Energiekrise, Materialengpässen und hoher Inflation überraschend um 0,4 Prozent gewachsen. Die meisten Experten gehen allerdings davon aus, dass sie Ende 2022 leicht geschrumpft ist und zu Jahresbeginn 2023 in eine Rezession rutschen könnte.

(lst/Reuters)
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