Hat er Heimkinder geschlagen?: Walter Mixa – ein Bischof unter Verdacht

Hat er Heimkinder geschlagen?: Walter Mixa – ein Bischof unter Verdacht

Augsburg (RP). Der Augsburger Bischof Walter Mixa soll in den 70er und 80er Jahren Heimkinder geschlagen haben. Ob auch er eine besondere Fürbitte vom Trierer Bischof Stephan Ackermann, die jetzt in die Liturgie am Karfreitag eingefügt werden kann, annimmt ist noch unklar. Mixa sieht sich mit den Misshandlungsvorwürfen konfrontiert.

"Lasst uns beten für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden; wir beten auch für diejenigen, die schuldig geworden sind und sich schwer versündigt haben."

Das ist ein Auszug aus einer besonderen Fürbitte, die jetzt in die Liturgie am Karfreitag eingefügt werden kann. Die Idee stammt vom Trierer Bischof Stephan Ackermann, der seit einigen Wochen traurige Bekanntheit als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz erlangte.

Die Fürbitte ist ein Angebot, und ob es von allen Bischöfen angenommen wird, ist unklar. Heikel dürfte die Entscheidung für den Augsburger Bischof Walter Mixa (68) werden, der nun selbst mit schweren Misshandlungs-Vorwürfen konfrontiert wird. Er soll in den 70er und 80er Jahren als Stadtpfarrer in Schrobenhausen Heimkinder geschlagen haben.

Polarisierer vor dem Herrn

Von Faustschlägen auf den Oberarm ist die Rede und von Stockhieben auf das Gesäß der Kinder. Während der Malträtierung soll er gesagt haben: "Kind Gottes, nimm diese Strafe"; und: "In dir ist der Satan, den werde ich dir schon austreiben." Das Bistum hat alle Vorwürfe zurückgewiesen; allerdings gibt es eidesstattliche Erklärungen ehemaliger Heimkinder.

Die Vorwürfe treffen den vielleicht profiliertesten deutschen Bischof. Einer, der sich in gesellschaftliche Debatten gern einmischt mit klaren, oft scharfen, mitunter überzogenen Worten. Das macht den gebürtigen Schlesier in den Augen mancher, denen die Kirche zu zeitgeistig erscheint, zu einem markanten Theologen und Würdenträger, der sein Herz auf der Zunge zu tragen und damit seinen Amtsbrüdern Bischof Müller (62) aus Regensburg und Kardinal Meisner (76) aus Köln verwandt zu sein scheint.

Manche rühmen auch, er sei ein Mann mit Ecken und Kanten, kein Vertreter eines lahmen, gar lauen Christentums. Das klingt dann nach Mannsbild und obendrein sehr süddeutsch. So etwas schafft Freunde und Feinde. Mutmaßungen, dass durch die jüngsten Anklagen mit dem umstrittenen Bischof endlich "abgerechnet" werden soll, sind ebenso schnell bei der Hand.

  • Fotos : Frauen als Gebärmaschinen? Das sagen unsere Leser

Bischof Mixa ist ein Polarisierer vor dem Herrn. Die Liste seiner Beiträge, die für Empörung sorgen, ist beträchtlich, zeugt aber auch von einigem Stehvermögen. Denn sie weist darauf hin, dass die verbalen Übertritte keine Fehltritte sind, sondern Schritte, die mit Bedacht gewählt wurden. Wie etwa sein Vergleich von Abtreibungen mit dem Holocaust, als er vor gut einem Jahr auf einem CSU-Empfang sagte: "Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten."

Gefahr für die religiöse Toleranz

Den Grünen attestiert er, "eine Gefahr für die religiöse Toleranz und den religiösen Frieden in unserem Land" zu sein, er glaubt, dass mit dem Ausbau staatlicher Kinderbetreuung Frauen zu "Gebärmaschinen" werden, und fordert für Eva Hermann ­ deren auch politisch brisante Familienideologie für Empörung sorgte ­ eine Rehabilitierung.

Mixa hat sich auch zu den Missbrauchsfällen in Deutschland geäußert; sehr früh, er war einer der ersten Bischöfe. Doch im Gegensatz zu etlichen anderen Kirchenvertretern, die bedingungslose Aufklärung und größtmögliche Transparenz forderten, nahm Mixa zunächst eine rigide Verteidigungshaltung ein. Weitere Schuldige waren bald ausgemacht: Mixa entdeckte sie bei Vertretern der "sogenannten sexuellen Revolution".

Keiner ist gerne der Buhmann. Dass sich Mixa in diese Rolle dennoch und vermutlich gar sehenden Auges immer wieder hineinbegibt, zeigt, dass ihn Größeres umtreibt: die Zukunft seiner Kirche im 21. Jahrhundert, die klare Verkündigung des Evangeliums in einer Gesellschaft, die zunehmend ohne Gott auszukommen gedenkt.

Diese Gottlosigkeit ist nach seinem Verständnis für viel Leid in dieser Welt verantwortlich. Manches furchtbare Leid so dokumentieren es jetzt die Missbrauchsfälle ­ ist aber auch der Kirche entwachsen. Das hat Mixa zuletzt leiser werden lassen. Sollten sich die Misshandlungs-Vorwürfe gegen ihn bewahrheiten, so müsste der Wortgewaltige verstummen.

(RP)