Walter Lübcke: Verdächtiger Stephan E. hatte rechtsextreme Karriere hingelegt

Pressekonferenz im Mordfall Lübcke : Verdächtiger hatte „rechtsextremistische Karriere“

Die Hintergründe des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sind nach den Worten von Bundesinnenminister Horst Seehofer weiter unklar. Am Dienstag gaben Ministerium, Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt eine Pressekonferenz.

Im Mordfall Walter Lübcke ermitteln die Behörden nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in alle Richtungen. Die Hintergründe seien noch nicht vollends aufgeklärt, sagte Seehofer am Dienstag in Berlin.

Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte Seehofer. Als Tatmotiv könne derzeit nichts ausgeschlossen werden. „Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar.“

Der Verdächtige ist nach Angaben des Bundeskriminalamts schon durch viele Straftaten auffällig geworden. Der mutmaßliche Täter habe eine „lange Latte von Straftaten“, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Zu den aktuellen Vorwürfen habe sich der Tatverdächtige bisher nicht geäußert sagte Münch.

Zur Frage, welche Kontakte in die rechte, möglicherweise auch militante, Szene der Verdächtige habe, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang: „Es ist zur Zeit unsere dringlichste Aufgabe, die uns bekannten Kontakte des Stephan E. abzuklären.“

Es gebe Verbindungen aus der Vergangenheit in die rechtsextreme Szene, diese werde man jetzt ausleuchten, auch um zu sehen, ob es auch heute noch Kontakte gebe.

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Er soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet haben. Die Generalbundesanwaltschaft sieht einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat und hat die Ermittlungen übernommen.

Seehofer nannte den Anschlag „abscheulich“ und „widerwärtig“. „Ein rechtsextremer Anschlag auf einen führenden Repräsentanten unseres Landes ist ein Alarmsignal und richtet sich gegen uns alle.“

Der Verdächtige war Mitglied in einem nordhessischen Schützenverein. Stephan E. habe dort aber nur mit dem Bogen geschossen und keinen Zugriff auf Feuerwaffen gehabt, sagte Reiner Weidemann, Vorsitzender des Schützenclubs 1952 Sandershausen.

Der Schützenverein liegt in Niestetal-Sandershausen, einem Vorort von Kassel.

E. war Referent des Clubs für Bogenschießen. „Er war freundlich und ruhig“, erklärte Weidemann. E. sei seit rund zehn Jahren dabei gewesen und nicht durch rechte Parolen aufgefallen. Im Club habe E. meist etwas abseits Bogen geschossen.

Der 45-Jährige hatte nach Angaben des Vorsitzenden auf dem Vereinsgelände keine Feuerwaffen oder Zugang dazu: „Bei uns im Verein hatte er keine Waffenbesitzkarte.“ Auch fehle nichts von den Vereinswaffen. Schießen mit Feuerwaffen hätte E. unter Aufsicht gedurft, was er allerdings nicht genutzt habe.

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Der 65-jährige Walter Lübcke war am 2. Juni spätabends vor seinem Wohnhaus mit einem Kopfschuss getötet worden. Am Montag hatte der Generalbundesanwalt die Ermittlungen in dem Fall an sich gezogen, weil er von einem rechtsextremistischen Hintergrund der Tat ausgeht. Zuvor war der 45-jährige Stephan E. als Tatverdächtiger festgenommen worden.

(jms/dpa)
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