Wahre Welle TV: Bundeszentrale startet Satire zu Verschwörungstheorien

Satire zu Verschwörungstheorien: Darum droht doch keine Islamisierung Oberhausens

Einige Tage wurde über „Wahre Welle TV“ gerätselt. Seit Montag ist klar, wer hinter dem angeblichen TV-Sender steckt und was er beabsichtigt: Mit Satire über Verschwörungstheorien aufklären. Zum Beispiel über die Mär von den gesteuerten Medien und der Islamisierung.

Auf den ersten Blick wirkt alles ganz authentisch. Eine Moderatorin steht im Studio und liest die Nachrichten vor. Allerdings heißt der Sender „Wahre Welle TV“ und die Sendung „Frontal 23“ - das klingt schon etwas merkwürdig. Noch merkwürdiger klingt aber das, was die Sprecherin als erste Meldung vorliest: Oberhausen sei Polizisten ein ganz besonderer Coup gelungen. „Sie konnten einen Journalisten des Staatsfunks dabei erwischen, wie dieser 35 langbärtige Salafisten aus einem Ü-Wagen aussteigen ließ.“ Offenbar sei geplant gewesen, Oberhausen zu islamisieren. Nach Informationen von „Wahre Welle TV“ sei der Auftrag dazu „von ganz oben“ gekommen.

Staatsfunk, Salafisten und Anordnungen, die Medien von höchster Stelle entgegennehmen? Das klingt nach einem Hardcore-Mix ganz nach dem Geschmack von Verschwörungstheoretikern. Tatsächlich ist es aber Satire, produziert von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Seit Montag veröffentlicht sie Kurzfilme, in denen es um populäre Verschwörungstheorien geht - zum Beispiel um Chemtrails, den Anschlag auf das World Trade Venter und die Mondlandung. Aber auch um die Behauptung, es gebe von der Regierung gesteuerte Medien.

Mit „Wahre Welle TV“ will die bpb über Verschwörungstheorien aufklären. Das neue Bildungsangebot solle Zielgruppen ansprechen, die konventionellen Medien oft nur noch wenig Beachtung schenkten, sagt der Präsident der Bundeszentrale, Thomas Krüger. „Über Webvideos und Satire erreichen wir vor allem die Netzcommunity. Sie wollen wir dafür sensibilisieren, nicht alles zu glauben, was man in sozialen Netzwerken liest und hört.“

„Dass es etwas mit Humor sein muss, war von vorneherein klar“, sagt Cornelius Strobel, Referent im Fachbereich Extremismus der Bundeszentrale, der das Projekt von Anfang an begleitet hat. „Für uns funktionieren die Entertainment-Elemente wie ein Angelhaken.“ Die Zielgruppe seien Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren, die sich im Netz bewegten. „Wir sind uns bewusst, dass wir eingefleischte Verschwörungstheoretiker nicht erreichen können.“

Das Medium dafür ist das Internet - die Kurzfilme sind auf einer eigenen Webseite, über Facebook und auf Youtube abrufbar. „Soziale Netzwerke sind der maßgebliche Verstärker für Verschwörungstheorien“, erklärt Strobel. „Deswegen haben wir gesagt, die Bundeszentrale für politische Bildung muss dem in den sozialen Netzwerken mit einem attraktiven Angebot etwas entgegensetzen.“

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„Wir haben euch an der Nase herumgeführt“

Einen Hauch von Verschwörungstheorie hatte auch das Vorspiel zum „Wahre Welle TV“-Start: „Was viele Menschen schon wissen, aber sich nicht zu sagen trauen. Wir sprechen es aus!“, war auf dessen Facebook-Account am Freitag zu lesen. „Wir zeigen die Wahrheit hinter der Wahrheit.“ Zu erkennen war da allerdings noch nicht, dass es sich um ein neues Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung handelt - das heizte die Spekulationen an.

„Fakt ist: Die ‚Wahre Welle’ ist kein 24h-Online-TV-Sender“, gab die bpb am Montag ebenfalls auf Facebook zu. „Fakt ist auch, dass wir euch die letzten vier Tage ganz schön an der Nase herumgeführt haben. Wir wissen, dass das nicht sehr nett war, aber unserer Meinung nach haben wir damit deutlich gezeigt, wie schnell ein paar bunte Bildchen, ein paar mehr oder weniger schlaue Sprüche und etwas emotionale Mobilisierung es schaffen können, uns zu beeinflussen.“

Cornelius Strobel ergänzt: „Es ist ein Grundgedanke des Formats: Wir wollen klar machen, dass es nicht so einfach ist, wie es manchmal scheint.“ Dass die Satire von manchen nicht gleich als solche verstanden werden könnte, sei nicht auszuschließen. „Wir haben darauf geachtet, dass die Machart immer sehr skurril und überzogen ist.“ Jeder Film ende außerdem mit dem Hinweis „Lass Dir keinen Scheiß erzählen“. „Und dann gibt es außerdem jeweils weiterführende Informationen.“ Diese weiterführenden Informationen finden Sie auf der Webseite der bpb.

(wer/dpa)
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