Dreck, Regen, Schlamm Wacken ist legendär – nach dem Matsch-Desaster erst recht

Meinung | Düsseldorf · Wacken 2023 versinkt im Matsch. Es geht fast nichts mehr, Fans müssen abreisen. Die Metalheads können einem leidtun, zeigen aber in der Situation, was das Festival an sich ausmacht.

Wacken 2023: Einlass-Stopp für alle - Schlamm & Chaos - Fotos
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Anreise- und Einlass-Stopp zum Wacken 2023 – Schlammmassen und Chaos

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Foto: AFP/AXEL HEIMKEN

Das Wacken-Open-Air ist um eine legendäre Anekdote reicher. „Erinnert ihr euch an 2023, als Wacken im Schlamm versank?“ dürfte bei vielen Fans der harten Töne für Schmunzler sorgen, für etwas Trauer, aber sicher auch für Leuchten in den Augen. Denn die Bilder aus dem vermatschten Wacken vor den Toren Hamburgs zeigen einfach nur, dass dieses Festival ein ganz besonderes ist. Beispiele für die Besonderheit? Die Metalheads, die an der Autobahnausfahrt festhingen und kampierten? Legendär. Die Metalheads, die vor dem Hamburger Volksparkstadion übernachteten und hofften, sich noch nach Wacken aufmachen zu dürfen? Legendär. Die kilometerlange Autokarawane vor den Toren Wackens, in der die Festivalgänger ihr eigenes Heavy-Metal-Festival abhielten? Legendär. Die im Matsch surfenden Metalheads, die auf dem Festivalgelände das tun, was man dort am besten machen kann – nämlich Matschsurfen.

Legendär ist auch die Entstehungsgeschichte des Festivals. Gegründet von zwei Freunden 1990, die in ihrem Dorf keine Heavy-Metal-Kneipe hatten und sich so das Festival einfach vor die Haustür zimmerten. Mittlerweile ist Wacken international ein Begriff, die Metalheads kommen in die Provinz, um die weltbesten Rockbands zu hören. Sie bereichern den Ort und sind für die meisten Wacken-Bewohner kein Problem - im Gegenteil, sie sehen das Festival jedes Jahr als Highlight.

Wacken 2023 Line-up: Diese Bands treten beim Metal-Festival auf
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Das ist das Line-up von Wacken Open Air 2023

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Foto: dpa/Carsten Rehder

Ganz im Gegensatz zu anderen Festivals, bei denen sich Anwohner regelmäßig beschweren. Zuletzt zum Beispiel geschehen bei der Kölschband Querbeat, die in der Bonner Rheinaue spielen wollte und ein Anwohner klagte, dann aber das Festival der Band doch nicht untersagen konnte. Wacken ist kein auf Instagram zurechtgezimmertes Festival wie Parookaville oder mittlerweile auch Rock am Ring. Es ist ein nach Hause kommen in der Metal-Szene. Daher erzeugen die Bilder vom vermatschten Wacken und den Fans, die ihre Heimreise unverrichteter Dinge antreten müssen, eben auch Mitleid.

Bei dem ganzen Desaster blieb dann doch wenigstens eine Sache gleich: Wie jedes Jahr spielte die Feuerwehrkapelle zum Start des Festivals. „Let Me Entertain you“ gaben die Wacken Firefighters zum Besten – aber nur vor rund 100 Metalheads, und nicht vor Tausenden. Sie wissen schon, wegen der Matsch-Sache.

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