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Vor Weltnaturschutzkonferenz: Umweltverbände und Regierung fordern Maßnahmen für Artenschutz

Vor Weltnaturschutzkonferenz : Umweltverbände und Regierung fordern Maßnahmen für Artenschutz

Der massive Verlust der Artenvielfalt bedroht die Lebensgrundlagen der Menschen. Die UN-Biodiversitätskonferenz soll eine neue Strategie beraten. Aber reicht der politische Wille für ehrgeizige Ziele?

Von der UN-Weltnaturschutzkonferenz nächste Woche in China haben die deutsche Bundesregierung und Umweltverbände entschiedene Maßnahmen zum globalen Schutz der Artenvielfalt gefordert. Alle Staaten müssten „mehr Ehrgeiz und politischen Willen“ zeigen, sagte Florian Titze vom World Wide Fund For Nature (WWF) am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die zu vereinbarenden Ziele der Weltgemeinschaft „müssen den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 stoppen und umkehren können“. So warnt der Weltbiodiversitätsrat vor dem Aussterben von einer Million Arten schon in den nächsten zehn Jahren.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller forderte, die Weltgemeinschaft müsse endlich an einem Strang zu ziehen. „In den kommenden Monaten muss ein Durchbruch beim Artenschutz gelingen wie beim Pariser Klimaabkommen für den Klimaschutz“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Denn wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Er erwarte von China als Gastgeber eine Führungsrolle.

Der Artenschutz ist nach seinen Worten auch Vorbeugung gegen neue Pandemien: „Je mehr natürliche Lebensräume vernichtet werden, umso größer wird auch die Gefahr, dass weitere Viren vom Tier auf den Menschen überspringen und schwere Krankheiten auslösen.“ Nötig sei, 30 Prozent der Land- und der Meeresflächen unter Schutz zu stellen. „Davon sind wir aber meilenweit entfernt: Bislang sind erst acht Prozent der Meeres- und 17 Prozent aller Landflächen geschützt.“

Auch sollten die Industrieländer ihre Mittel zum Erhalt der Biodiversität in ärmeren Ländern verdoppeln, forderte Müller. Mit der Welthandelsorganisation (WTO) müssten zudem Mindeststandards für „entwaldungsfreie Lieferketten“ verankert werden. „In Rotterdam oder Hamburg darf kein Schiff mehr anlegen, das Palmöl- und Sojaprodukte aus nicht zertifizierter Produktion zu uns bringt.“

Die knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention für die biologische Vielfalt (CBD) kommen von Montag bis Freitag im südwestchinesischen Kunming zu einem vor allem online veranstalteten Treffen (Cop15) mit einigen Teilnehmern aus China vor Ort zusammen. Sie wollen über ein neues Rahmenabkommen beraten - vergleichbar mit dem Pariser Klimaabkommen. Die Konferenz war im Oktober 2020 geplant gewesen, war aber wegen der Pandemie verschoben und aufgeteilt worden.

Auf das Treffen nächste Woche folgen im Januar Verhandlungen in der Schweiz, bevor die Strategie bei einem Präsenztreffen vom 25. April bis 8. Mai wieder in Kunming verabschiedet werden soll. „Gesunde Ökosysteme und biologische Vielfalt sind systemrelevant“, mahnte WWF-Experte Titze. „Sie sind Basis für unseren Wohlstand, unser Wohlergehen, unsere Ernährung und unsere Gesundheit.“ Sie garantierten saubere Luft, Trinkwasser, ertragreiche Böden, ein stabiles Klima und Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen.

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Die Konvention sei von „entscheidender Bedeutung“, sagte Morgan Gillespy vom Resources Institute. „Wir sind auf die biologische Vielfalt angewiesen, um die Umwelt zu regulieren und einen bewohnbaren Planeten zu erhalten.“ Das Treffen sei zwar weitgehend zeremoniell, doch legten die Staats- und Regierungschefs hier die Ziele und die Finanzierung für das nächste Jahrzehnt fest. „Wir brauchen ein starkes globales Regelwerk.“

Das Cop15-Treffen ist die erste große UN-Veranstaltung seit der Weltfrauenkonferenz 1995, bei der China wieder die Präsidentschaft innehat. Als einziges konkretes Resultat soll eine „Erklärung von Kunming“ verabschiedet werden. „Die Qualität dieses Dokuments wird ein Test für die chinesische Umweltdiplomatie - wie auch für den allgemeinen politischen Wunsch der übrigen Welt nach einem erfolgreichen und starken Plan zum Schutz der biologischen Vielfalt nach 2020“, sagte Li Shuo von Greenpeace China.

(lha/dpa)