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Bluttat von Ansbach: "Viele weinten und hatten Angst"

Bluttat von Ansbach : "Viele weinten und hatten Angst"

Ansbach (RPO). Auch einige Stunden nach der Bluttat an einem Gymnasium im fränkischen Ansbach stehen Schüler, Angehörige und Helfer unter Schock. Am Morgen war ein 18-Jähriger mit einer Axt, Messern und Brandsätzen in die Schule gestürmt und hatte zehn Menschen verletzt. Ein Mädchen schwebt in Lebensgefahr. Ein junger Mann wird indes als Held gefeiert: Der Schüler konnte durch sein couragiertes Handeln wohl schlimmeres verhindern.

Vor dem rosa bemalten Carolinum in der Innenstadt von Ansbach herrscht gespenstische Ruhe: Der Amoklauf eines 18-jährigen Schülers mit insgesamt zehn Verletzten in dem Gymnasium der mittelfränkischen Kleinstadt liegt schon einige Stunden zurück.

Dennoch ist das Schulgebäude noch immer weitgehend abgeriegelt, säumen zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr die schmale Straße. Die vor der Schule abgestellten Fahrräder und Autos zeugen davon, dass auch dieser Donnerstag wie ein ganz normaler Schultag begonnen hatte.

"Wir hatten gerade Englischunterricht"

"Wir hatten gerade Englischunterricht, als Feueralarm ausgelöst wurde", schildert die zehnjährige Nicole Trolese die Ereignisse am Morgen. Sie habe zuerst an eine Übung gedacht, dann aber zwei Explosionen gehört. "Viele fingen an zu weinen und hatten Angst", erzählt die Fünftklässlerin.

Tatsächlich war gegen 08.30 Uhr ein 18-jähriger Schüler der 13. Jahrgangsstufe des Gymnasiums mit drei Molotow-Cocktails, zwei Messern und einer Axt bewaffnet in das Schulgebäude gegangen und hatte je einen Brandsatz in Klassenzimmer einer neunten und einer elften Klasse im dritten Stock geworfen.

Anschließend, so beschreibt Polizeieinsatzleiter Udo Dreher auf einer Pressekonferenz, sei er in der Nähe der Toilette von zwei Beamten entdeckt und mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole außer Gefecht gesetzt worden.

Ob er da bereits auf dem Weg in ein weiteres Klassenzimmer gewesen sei, darüber könne nur spekuliert werden, erklärt Dreher. Tatsächlich hatte der junge Mann zu diesem Zeitpunkt noch einen dritten Molotow-Cocktail sowie seine Messer und die Axt bei sich.

"Als er sich auf die Beamten zubewegte, schossen sie auf ihn und nahmen ihn anschließend fest", berichtet Dreher. Gegen den Amokläufer soll Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen werden. Sein Motiv ist noch unklar.

Schüler alarmierte Polizei und löschte Feuer

Bis zu seiner Festnahme hatte der Gymnasiast, der ein unauffälliges Leben geführt haben soll, acht Schüler und einen Lehrer verletzt, davon zwei Mädchen aus der elften Klasse schwer. Eines davon schwebte mit einer Kopfwunde in Lebensgefahr. Die anderen Opfer erlitten laut Polizei Brandverletzungen.

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Es sei vor allem dem couragierten Einsatz eines Mitschülers, aber auch der Besonnenheit der Schulleitung und dem raschen Handeln der Einsatzkräfte zu verdanken, dass der Amoklauf nicht eskaliert sei, lobt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Nur elf Minuten nach Eingang des Notrufes, um 08.46 Uhr, war das Geschehen mit der Festnahme des Täters beendet. "Das ist nun wirklich mehr als vorbildlich", betont der CSU-Politiker.

Held des Tages sei demnach ein Schüler der K13 gewesen. Er hatte nach Angaben der Polizei gegen 08.35 Uhr den Brandgeruch bemerkt und die Einsatzzentrale alarmiert. Anschließend sei er zum Tatort gegangen und habe dort, als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, das Feuer im Zimmer der elften Klasse selbst gelöscht.

In der Zwischenzeit hatte die Schulleitung Feueralarm ausgelöst und das Gebäude mit seinen rund 700 Schülern evakuiert. Viele von ihnen glaubten an eine Übung, schildert Schulleiter Franz Stark. Sie wurden in einer nahe gelegenen Arbeitsagentur in Sicherheit gebracht.

"Es ging sehr reibungslos", erklärt Stark. Der Schock über das Geschehene steht ihm noch ins Gesicht geschrieben. "Ich schätze mal, wir werden ziemlich lange damit zu tun haben, damit fertig zu werden", sagt er. Für den (morgigen) Freitag haben die Schüler erst einmal freibekommen. Eine für diese Woche geplante Klassenfahrt der K13 wurde abgesagt.

(AP/csi)