144.000 Wohnungseinbrüche jährlich: Viele Einbruchsopfer leiden an Angstzuständen

144.000 Wohnungseinbrüche jährlich : Viele Einbruchsopfer leiden an Angstzuständen

Alle dreieinhalb Minuten wird in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen. Übers Jahr entstehen dabei 600 Millionen Euro Schaden. Und viele Menschen werden seelisch nicht damit fertig. Die Innenminister wollen den Kampf nun verschärfen.

Viel Mitgefühl mit den Einbruchsopfern zeigte der Vorsitzender der Innenministerkonferenz, Boris Pistorius (SPD), bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik.

Angesichts einer Steigerung um 8,7 Prozent auf bundesweit 144.000 Fälle sei der Schaden von 600 Millionen Euro zwar beträchtlich, viel schwerer wiege jedoch die Wirkung auf die Betroffenen. Sie erlebten den Eingriff in ihre Privatsphäre und die Verletzung ihrer Intimsphäre als "Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit".

Bei vielen Opfern würden regelrechte Angstzustände ausgelöst. Und jeder fünfte bis sechste Betroffene ziehe sogar um, damit er "aus der Atmosphäre herauskommt", schilderte Pistorius.

Bei ihrem nächsten Treffen will sich die Innenministerkonferenz mit einem verstärkten Vorgehen gegen die Wohnungseinbrüche befassen. Denn mit einer Aufklärungsquote von nur 15,7 Prozent könne niemand zufrieden sein, stellte der niedersächsische Innenminister fest.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kündigte eine detaillierte Untersuchung durch das Bundeskriminalamt mit möglichen weiteren Handlungsoptionen an. Zu diesem "Bundeslagebild Wohnungseinbrüche" müsse auch Nordrhein-Westfalen Daten zuliefern, forderte Innenausschussvorsitzender Wolfgang Bosbach (CDU) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bosbach nannte die stark gestiegene Zahl von Wohnungseinbrüchen "alarmierend". Ein bundesweites Lagebild über die regionalen Schwerpunkte, die Tatbegehung, die Täter und Tätergruppen, ihre Einbindung in die Strukturen organisierter Kriminalität, ihre Reisewege und andere Erkenntnisse seit dringend nötig, damit die Strafverfolgung erfolgreicher und die Aufklärungsquote besser werden könne.

"Darüber hinaus müssen wir auch die Präventionsarbeit verbessern und die Polizei personell und technisch besser ausstatten", verlangte Bosbach. "Die Gewährleistung der Sicherheit ist eine Kernaufgabe des Staates, und wir können der Polizei nicht ständig neue Aufgaben übertragen, ohne daraus notwendige personelle Konsequenzen zu ziehen", betonte der CDU-Innenexperte.

"Eine Frage der Qualität polizeilicher Aufklärungsarbeit"

Mit ähnlichen Klagen meldeten sich die Polizeigewerkschaften zu Wort. "Die schwächer werdende Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum lädt Straftäter geradezu ein, in Wohnungen und Häuser einzudringen", sagte Oliver Malchow, der Chef der Gewerkschaft der Polizei. Pistorius wies diese Behauptung zurück. Das Problem sei weniger eine Frage der Polizeidichte als vielmehr eine Frage der Qualität polizeilicher Aufklärungsarbeit. Dabei gehe es unter anderem auch um eine qualifiziertere Tatortauswertung.

Inwiefern ausländische Einbrecherbanden zu Raubzügen durch die Bundesrepublik aufbrechen, soll ebenfalls Gegenstand der Untersuchungen sein. Sollten sich derartige Hintergründe herausstellen, kündigte Friedrich eine engere internationale Zusammenarbeit an.

An dieser Stelle meldete der Innenausschussvorsitzende ebenfalls Diskussionsbedarf an: "Ich hoffe, dass man auch offen und nüchtern einmal darüber diskutieren kann, inwieweit die Abschaffung der Grenzkontrollen an den östlichen Grenzen unseres Landes die Sicherheit der Bundesrepublik nachteilig beeinflusst hat, ohne dass man sofort in eine anti-europäische Ecke gestellt wird", sagte Bosbach.

Pistorius brachte daneben schärfere Auflagen für besseren Einbruchsschutz ins Gespräch. Jeder sei selbst gefordert, es den Einbrechern schwer zu machen. Damit sei schon viel zu erreichen, wie der Anteil von 40 Prozent Einbruchsversuchen zeige, die wegen Schwierigkeiten beim Eindringen oder wachsamer Nachbarn abgebrochen würden.

Gefragt seien aber auch die Bauminister, die ähnlich der Vorschriften für Brandmelder stärkeren Schutz vor Einbrüchen in die Bauordnungen für Neubauten schreiben könnten. Dabei gehe es etwa darum, dass Fenster abschließbar seien und Terrassentüren nicht aufgehebelt werden könnten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tipps zum Schutz vor Einbrechern

(csr/jco/csr)
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