Jörg Kachelmann sitzt in Untersuchungshaft: "Vergewaltigungsvorwürfe sind haltlos"

Jörg Kachelmann sitzt in Untersuchungshaft: "Vergewaltigungsvorwürfe sind haltlos"

Mannheim (RP). Die Polizei hat den 51-jährigen TV-Moderator Jörg Kachelmann ("Das Wetter im Ersten") am Samstag bei der Einreise nach Deutschland am Frankfurter Flughafen verhaftet. Gegen ihn wird wegen Verdachts der Vergewaltigung ermittelt.

Die Ermittlungen gegen Jörg Kachelmann führt die Polizeidirektion Heidelberg schon seit Wochen. Der Vorwurf laut Staatsanwaltschaft: Der 51-jährige Journalist, TV-Moderator und Unternehmer soll seine langjährige frühere Freundin nach einem vorangegangenen Beziehungsstreit in ihrer Wohnung im Rhein-Neckar-Kreis gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. "Nachdem sich hinsichtlich des im Februar 2010 zur Anzeige gebrachten Sachverhalts der Tatverdacht erhärtete, hat das Amtsgericht Mannheim gegen den Beschuldigten Haftbefehl erlassen", teilte die Staatsanwaltschaft Mannheim gestern mit.

Begründet wird der Haftbefehl laut Medienberichten mit der angeblichen Fluchtgefahr: Kachelmann sei Schweizer und habe in Deutschland keinen festen Wohnsitz. Kachelmann war am Samstag aus Kanada kommend in Frankfurt gelandet, nachdem er für die ARD bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver und Whistler im Einsatz war.

"Vergewaltigungsvorwürfe sind haltlos"

Kachelmanns Anwalt, der Kölner Jura-Professor Ralf Höcker (Bücher: "Lexikon der Rechtsirrtümer", "Wörterbuch Anwalt/Deutsch – Deutsch/Anwalt"), wies die Anschuldigungen gegenüber mehreren Medien zurück: "Die gegen unseren Mandanten erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe sind haltlos. Sie sind frei erfunden." Aus Kachelmanns eigener Firma Meteomedia hieß es dagegen etwas weniger kategorisch: "Wir halten das für ein Missverständnis, das sich sicherlich schnell aufklären wird."

Gestern Abend hieß es dann bei Meteomedia, der Wetterdienst habe "mit großem Entsetzen" von den Anschuldigungen gegen den Chef Kenntnis genommen: "Wir halten es für undenkbar, dass die Anschuldigungen stimmen könnten." Neben Anwalt Höcker vertrete ihn nun auch der Strafverteidiger Reinhard Birkenstock. Beide unternähmen nun alles, "um die ungerechtfertigten Vorwürfe aufzuklären". Kachelmann bestreite den Vergewaltigungsvorwurf und werde nun seinerseits wegen falscher Anschuldigungen Klage erheben.

Gestern blieb unklar, ob die ARD über die Ermittlungen und die Verhaftung vom Samstag informiert war. "Das Erste" lehnte gegenüber unserer Redaktion eine Stellungnahme ab. Bei der ARD und Kachelmanns Firma Meteomedia werden jetzt neue Dienstpläne geschrieben: In dieser Woche wäre Kachelmann mit der Präsentation der Sendung "Wetter im Ersten" vor der ARD-Tagesschau und nach den ARD-Tagesthemen dran gewesen, die er im Wechsel mit Claudia Kleinert und Sven Plöger seit acht Jahren moderiert.

  • Das ist Jörg Kachelmann

Fehde mit dem Deutschen Wetterdienst

Kachelmann, der nie Meteorologie studierte, ist Deutschlands erfolgreichster und bekanntester Wetter-Vorhersager. 1990 machte sich der gebürtiger Lörracher in einem Bauernhaus bei St. Gallen in der Schweiz mit einer vollcomputerisierten Wetterstation selbstständig und erfand für die Wettervorhersagen des Südwestfunks eine völlig neue Vorhersage-Sprache: Da wurde plötzlich "Regen wie aus Eimern" statt Niederschlag angekündigt, mal war das Wetter schlicht "motzelbärig" – und das alles ohne Diplom.

In einer jahrelangen Fehde mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) jagte der Schweizer den amtlichen deutschen Wettermachern schließlich einen Kunden nach dem anderen ab. Anfang 2000 wechselte der WDR zu Kachelmann, 2003 kam die gesamte ARD hinzu, nachdem der DWD im Februar 2002 viel zu unpräzise vor einem Orkan gewarnt hatte.

Im Herbst 2002 warnte Kachelmann früher und genauer als alle anderen Wetterdienste vor der Flutkatastrophe im Osten Deutschlands. Daneben moderierte Jörg Kachelmann immer wieder auch Unterhaltungssendungen, so noch im vergangenen Jahr die 14-tägige MDR-Talkshow "Riverboat". Sein Privatleben schirmte der Moderator bei aller Leutseligkeit jedoch stets sorgsam gegenüber der Öffentlichkeit ab.

Wie lange Kachelmann, der zur Zeit in der JVA Mannheim einsitzt, in Untersuchungshaft bleiben muss, ist unklar. Es sei nicht bekannt, ob bereits ein Haftprüfungsantrag gestellt worden sei, hieß es gestern bei der Staatsanwaltschaft. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur ddp, die Ermittlungen gegen Kachelmann seien noch nicht abgeschlossen.

Wie sie auch ausgehen – am Ende könnte es im Fall eines öffentlichen Verfahrens mehrere Verlierer geben. Das belegt der Fall des früheren TV-Moderators Andreas Türck. Im Frühjahr 2004 hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt Türck nach über einem Jahr Ermittlungen wegen Vergewaltigung angeklagt. Der Prozess zog sich bis zum September 2005 hin. Türck wurde freigesprochen – und war als Moderator dennoch ruiniert.

(RP)