Verdacht der Geldwäsche bei Sportwettenanbieter Tipico

Recherchen des WDR : Filialen von Sportwettenanbieter Tipico unter Geldwäsche-Verdacht

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft dem Sportwettenanbieter Tipico schwere Defizite bei der Auswahl seiner Lizenznehmer vor. Hintergrund ist ein laufendes Geldwäscheverfahren gegen Lizenznehmer, die Wettbüros für Tipico betreiben.

Der Vorwurf lautet: Drogengelder seien über Tipico-Filialen gewaschen worden. Dem WDR-Magazin "Sport Inside" liegen dazu streng geheime Unterlagen des Sportwettenanbieters vor. Noah Krüger, Staatsanwalt Frankfurt: "Wenn ich Personen aus einem zwielichtigen bis kriminellen Umfeld als Lizenznehmer finde, dann liegt der Schluss nahe, dass man die entweder nicht überprüft hat oder nicht ernsthaft überprüft hat oder damit einverstanden ist, dass Kriminelle Lizenznehmer werden."

Die auf Malta ansässige Firma teilt mit, man lege "bei der Auswahl seiner Franchisepartner strenge Qualitätsmaßstäbe an". Der Fall, um den es gehe, liege Jahre zurück. Tipico habe den Fall, soweit das Unternehmen davon betroffen war, vollumfänglich und abschließend aufgearbeitet."

Sebastian Fiedler, Geldwäsche-Experte und Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, erklärt gegenüber der ARD nach Durchsicht der streng geheimen Unterlagen: "Man kann durchaus sagen, Compliance-Maßnahmen haben dort entweder nicht existiert, nicht funktioniert oder waren nur Feigenblätter." Insider richten gegenüber dem Magazin "Sport inside" weitere schwere Vorwürfe an das Unternehmen. Sie wollen zu ihrem Schutz anonym bleiben. Sie beschuldigen Tipico, Lizenznehmern Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. In Deutschland zu versteuernde Einnahmen von mehreren Betreibern von Tipico Wettbüros seien mit Wissen des Unternehmens über Konten im Ausland abgewickelt worden. Diese illegale Praxis soll mehrere Selbstanzeigen bei deutschen Finanzämtern zur Folge gehabt haben.

Tipico hat die Selbstanzeigen gegenüber "Sport inside" weder dementiert noch bestätigt. Das Unternehmen teilt mit, dass es sich zu Fragen, die unter das Steuergeheimnis fallen, grundsätzlich nicht äußert.´Tipico weist den Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung als falsch zurück. Der Sportwettenanbieter Tipico ist in Deutschland Marktführer und betreibt rund 1.000 Wettbüros. Unter anderem ist das Unternehmen Werbepartner des FC Bayern München und Sponsor der Deutschen Fußball Liga DFL.

(cka/ots)