US-Haubitzen M109 von Polizei gestoppt: Das sagt die US-Army dazu

Laster von Polizei gestoppt: Darum fährt ein Spediteur US-Panzer durch Deutschland

Es ist ein kurioser Fall: Die US-Armee lässt sechs Panzerhaubitzen von einem polnischen Spediteur nach Deutschland bringen, aber eine Polizeistreife stoppt den Transport - die Ladung ist zu breit und zu schwer. Wie geht es nun weiter? Was wir dazu wissen.

Wie die US-Streitkräfte unserer Redaktion mitteilten, werden die sechs Haubitzen in Grafenwöhr erwartet. In der Nähe der Stadt in Bayern liegt ein Truppenübungsplatz. Auf dem Gelände des 7th Army Training Command ist in der nächsten Woche eine Übung geplant. Etwa 4100 Soldaten aus zehn Staaten werden daran teilnehmen. Die US-Armee stellt davon mehr als die Hälfte. Die anderen Soldaten kommen aus Albanien, Kanada, Tschechien, Dänemark, Italien, Litauen, Polen, Rumänien und Großbritannien. Den Angaben zufolge werden sie drei Wochen lang gemeinsam trainieren.

Eine polnische Spedition sollte die sechs Panzerhaubitzen vom Typ M 109 für die Übung am Dienstag von Polen nach Grafenwöhr bringen. Aber auf der Autobahn 4 in Sachsen wurde der Transport gestoppt: Eine Streife der Verkehrspolizei hatte die sechs Schwerlaster auf der Autobahnraststätte Oberlausitz-Nord kontrolliert und mehrere Mängel festgestellt, wie die sächsische Polizei mitteilte. Demnach war die Ladung zu breit und vor allem viel zu schwer für die Auflieger. Es fehlten auch die Transportgenehmigungen der Straßenverkehrsbehörde, und mehrere Fahrer hatten ihre Lenk- und Ruhezeiten nicht eingehalten. Die Polizei verbot deshalb die Weiterfahrt.

Die US-Army ist nicht sehr erfreut über den Fall. Im Gespräch mit unserer Redaktion fluchte ein Mitarbeiter der Streitkräfte, zumal die Panzerhaubitzen am Donnerstag immer noch in Sachsen standen. Der polnische Spediteur wolle aber bis zum Abend alle Auflagen für den Transport erfüllen, sodass die Kettenfahrzeuge doch noch nach Bayern gebracht werden könnten, teilte die zuständige Polizei in Görlitz mit. Am Vormittag habe der Transportunternehmer damit begonnen, die schwere Fracht auf andere Auflieger umzuladen. Sobald er damit fertig sei, werde der Transport noch einmal kontrolliert, bevor der Konvoi grünes Licht erhalte. Laut einem Routenplaner liegen noch knapp 330 Kilometer vor den Panzerhaubitzen. Sobald sie ihr Ziel erreicht haben, ist der Fall für den Spediteur und die Fahrer aber noch nicht beendet: Ihnen drohen Bußgelder.

Nein, wie eine Sprecherin der Bundeswehr unserer Redaktion mitteilte. Demnach wird der Fall als Transport eines zivilen Spediteurs angesehen, und solche Transporte müssten grundsätzlich nicht angemeldet werden, teilte das Landeskommando Sachsen mit. Die Bundeswehr werde nur informiert, wenn ausländische Streitkräfte sie um Unterstützung bitten würden, zum Beispiel um eine Fahrt abzusichern, die Mitarbeiter während des Transports unterzubringen oder die Fahrzeuge zu betanken.

Das ist nicht ungewöhnlich. Erst 2017 hatte die US-Armee Fahrzeuge und Panzer über Deutschland nach Polen verlegt. Für die sogenannte Operation "Atlantic Resolve" war ein US-Frachter in Bremerhaven eingelaufen. Ein Teil der Ladung wurde von dort per Zug nach Polen transportiert. Der Rest wurde von zivilen Speditionen zunächst zum Truppenübungsplatz Bergen in der Lüneburger Heide gefahren, um das Gerät auf Züge zu verladen und ans Ziel zu bringen. Mit der Operation wollte die US-Armee die östlichen Nato-Länder stärken.

  • Haubitzen zu schwer und zu breit : Polizei stoppt US-Panzer-Transport durch Sachsen

Gepanzerte Fahrzeuge werden aber meist auf der Schiene transportiert, weil sie aus eigener Kraft zu lange bräuchten und der Verschleiß, in diesem Fall der Ketten, zu groß wäre. Auch würden Militärkolonnnen wie einst im Kalten Krieg den Verkehr zu sehr behindern. Die Streitkräfte, auch die Bundeswehr, haben zwar eigene Sattelschlepper als Panzertransporter, aber nur noch sehr wenige. Deshalb transportieren in der Regel zivile Speditionen die Panzer. Als die Bundeswehr Fahrzeuge aus Afghanistan zurückholte, wurden sie unter anderem über Häfen in Norddeutschland per Schiff angeliefert und auf Sattelschlepper verladen. Allerdings hatten diese Fahrzeuge keine Überbreite.

Die Panzerhaubitze M109 ist ein großkalibriges Artilleriegeschütz amerikanischer Produktion, das durch das Kettenfahrgestell beweglich ist. Die Besatzung besteht aus sechs Mann. Die Haubitze schießt nicht direkt und auf Sicht wie ein Kampfpanzer, sondern feuert große Granaten von 155 Millimeter Durchmesser in einem hohen Bogen bis zu 37 Kilometer weit - im Kriegsfall meist auf Flächenziele wie feindliche Truppenansammlungen.

Weltweit wurden ab Anfang der 1960er Jahre rund 5000 Exemplare der M109 gebaut. Die Bundeswehr besaß knapp 600 Stück, die zuletzt in Depots am Niederrhein gelagert waren und mutmaßlich inzwischen verschrottet oder weiterverkauft worden sind. Die Bundeswehr hat ihre Artillerie nach dem Mauerfall erheblich abgerüstet und besitzt jetzt noch rund 150 bis 180 modernere Panzerhaubitzen 2000 aus deutscher Produktion.

Das Personal ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert worden. 1985 dienten in Deutschland noch 246.875 US-Soldaten. Ende 2000 waren es etwa 70.000. Nach Angaben des Defense Manpower Data Center des US Department of Defense sank die Zahl bis Ende 2016 auf etwa 34.500.

(wer, mic)