Urteil im Staufen-Prozess: Lange Haftstrafen für Mutter und Freund

Kind im Internet angeboten : Mutter und Freund in Staufener Missbrauchsfall zu langer Haft verurteilt

Der Fall löste bundesweit Fassungslosigkeit aus: Ein Kind wird zu Hause vergewaltigt und missbraucht, im Internet angeboten und an weitere Täter verkauft. Nun ist das Urteil gesprochen: Die Mutter und ihr Lebensgefährte kommen lange in Haft.

Im Fall des jahrelang vergewaltigten und im Darknet zum sexuellen Missbrauch verkauften Jungen aus Staufen ist die 48-jährige Mutter des Kinds zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ihr 39-jähriger Lebensgefährte erhielt am Dienstag vor dem Landgericht Freiburg zwölf Jahre Haft und eine anschließende Sicherungsverwahrung. Damit kommt der Mann auch nach Verbüßung seiner Haftstrafe erstmal nicht frei. Mit den beiden Urteilen gegen Berrin T. und Christian L. endete die juristische Aufarbeitung der bundesweit für Entsetzen sorgenden Tatserie.

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für die Mutter 14 Jahre und sechs Monate Haft und für den einschlägig wegen Pädophilie vorbestraften Lebensgefährten 13 Jahre und sechs Monate Haft und Sicherungsverwahrung gefordert. Angeklagt waren zum Teil schwerste Sexualverbrechen an dem Kind sowie Zwangsprostitution in jeweils knapp 60 Fällen. Die beiden mussten sich auch wegen des Missbrauchs einer Dreijährigen verantworten.

Wie der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin sagte, billigte die Mutter nicht nur die Missbrauchstaten an ihrem Sohn, sie habe ihn auch freiwillig für diese Taten überlassen und sich selbst teilweise daran beteiligt. Zu Beginn sei ihr Motiv noch gewesen, ihren neuen Lebensgefährten nicht verlieren zu wollen. Später sei „das finanzielle Interesse“ beider Angeklagter hinzu gekommen - sie kassierten für die Missbrauchstaten im Einzelfall mehrere tausend Euro von den Männern.

Auch die Behörden waren bei dem Fall in die Kritik geraten: Sie hätten das Martyrium des Jungen möglicherweise zumindest früher beenden können. So hatte man sich vor einem Familiengericht nur auf die Mutter verlassen. Der Junge war nicht befragt worden.

Der kürzlich zehn Jahre alt gewordene Junge lebt inzwischen unter staatlicher Obhut. Nach Angaben seiner Rechtsanwältin geht es dem Jungen „den Umständen entsprechend gut“. Das Gericht sprach ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 Euro zu. Das missbrauchte Mädchen bekam 12.500 Euro zugesprochen.

Das Urteil gegen die Mutter und den Lebensgefährten ist rechtskräftig. Nach der Urteilsbegründung verzichteten sowohl die Angeklagte Berrin T. als auch die Staatsanwaltschaft und die Rechtsanwältin des missbrauchten Kindes auf Rechtsmittel. Die Mutter ließ über ihren Verteidiger erklären, sie wolle für ihren Sohn ein Zeichen setzen, „dass jetzt wirklich Ruhe ist“. Die Verteidigung des Mannes ließ zunächst offen, ob sie Rechtsmittel einlegen werde. Zunächst solle das Urteil mit dem Mandanten besprochen werden, hieß es.

In vier vorangegangenen Verfahren verurteilte das Landgericht die angeklagten pädophilen Freier ebenfalls zu langjährigen Haftstrafen und in zwei Fällen zu anschließender Sicherungsverwahrung.

(mba/dpa/AFP)
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