Urteil für Fahrdienstleiter von Bad Aibling: Dreieinhalb Jahre Haft

Zugunglück von Bad Aibling : Dreieinhalb Jahre Haft für Fahrdienstleiter

Wegen des Zugunglücks von Aibling mit zwölf Toten muss der angeklagte Fahrdienstleiter für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Bahnmitarbeiter sei der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig, urteilte das Gericht.

Nach sechs Verhandlungstagen verkündete das Landgericht Traunstein das Urteil. Beim Zusammenstoß zweier Züge Anfang Februar starben zwölf Menschen, fast 90 wurden verletzt.

An einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung bestand kein Zweifel. Selbst die Verteidiger des angeklagten Fahrdienstleiters hatten dies in ihren Plädoyer am Freitag eingeräumt. Allerdings hielten sie eine Bewährungsstrafe für ausreichend. Allenfalls komme eine Haftstrafe von maximal zweieinhalb Jahren infrage, forderten sie. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen vier Jahre Gefängnis beantragt. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

Zu Prozessbeginn hatte der Bahnmitarbeiter gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar in dem oberbayerischen Kurort das Fantasy-Rollenspiel "Dungeon Hunter5" auf seinem Handy gespielt zu haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Die Vorschriften der Deutschen Bahn (DB) verbieten jedoch die private Nutzung von Smartphones im Dienst.

Womöglich vom Spielen auf dem Smartphone abgelenkt stellte der Fahrdienstleiter im Stellwerk mehrere Signale falsch, wie die fünftägige Beweisaufnahme im Prozess ergab. Beim Absetzen eines Notrufes drückte er eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Dadurch kam es zum Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke.

Der Angeklagte vor der Urteilsverkündung des Gerichts. Foto: dpa, kne gfh

Bekannt wurde in dem Verfahren auch, dass die Bahn auf der Unglücksstrecke seit mehr als 30 Jahren veraltete Signaltechnik einsetzt. Eine Vorschrift von 1984, zusätzliche Anzeigen zu installieren, war nicht umgesetzt worden, wie ein Unfallexperte des staatlichen Eisenbahn-Bundesamtes aussagte. Die Bahn muss dies nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun.

(crwo/dpa)
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