Frau stürzte Treppe herunter Anklage gegen mutmaßlichen Berliner U-Bahn-Treter

Berlin · Die Frau ahnte nichts Böses, als sie plötzlich brutal von hinten getreten wurde und in einem Berliner U-Bahnhof die Treppe hinunterstürzte. Der mutmaßliche Täter ist nun ein halbes Jahr später angeklagt worden. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

 Szene aus dem Video der Überwachungskamera (Archivfoto).

Szene aus dem Video der Überwachungskamera (Archivfoto).

Foto: dpa, fux kno

Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin am Dienstag mitteilte, wird dem 26-Jährigen gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Dafür liegt der Strafrahmen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Gefängnis. Die Attacke hatte bundesweit Bestürzung hervorgerufen.

Der mutmaßliche Treppentreter soll in einer Nacht Ende Oktober 2016 unvermittelt eine ahnungslose Passantin mit einem Fußtritt in den Rücken so attackiert haben, dass sie eine Treppe im U-Bahnhof Hermannstraße hinunterstürzte. Die 26-Jährige erlitt einen Armbruch und eine Platzwunde am Kopf.

Der Verdächtige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft. Er war zunächst untergetaucht und wurde daraufhin mit Haftbefehl gesucht. Während viele den Mann noch in seiner bulgarischen Heimat vermuteten, wurde er kurz vor Weihnachten gefasst, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof aus Südfrankreich in der Hauptstadt ankam.

Die Attacke war von einer Videokamera aufgezeichnet worden. In Berlin sind alle U-Bahnen und U-Bahnhöfe sowie Straßenbahnen und die meisten Busse mit Videokameras ausgestattet. Nach der Attacke waren erneut Forderungen nach mehr Videoüberwachung laut geworden. Der Bund deutscher Kriminalbeamter argumentierte, Überwachungskameras könnten Täter abschrecken.

Bei der Festnahme war den Ermittlern der Zufall zu Hilfe gekommen. Wegen einer großen Präventionskampagne gegen Taschendiebe waren viele Polizisten zufällig in der Nähe des Busbahnhofs. Zivile Fahnder baten um Unterstützung, einige uniformierte Kollegen verstärkten dann schnell die Einsatztruppe am Busbahnhof.

Auf den Bildern waren vier junge Männer zu sehen. Nachdem die Polizei nach wochenlangen Ermittlungen die Bilder veröffentlichte, kam Bewegung in den Fall. Zunächst wurde ein jüngerer Bruder des Verdächtigen festgenommen. Er kam aber wieder frei, weil ihm keine unmittelbare Tatbeteiligung nachzuweisen war. Wenig später hatten die Ermittler Klarheit über die Identität des mutmaßlichen Haupttäters.

(wer/dpa)