Tübinger Max-Planck-Institut beendet Tierversuche an Affen

Max-Planck-Institut in Tübingen : Forscher machen Schluss mit Experimenten an Affen

Tierschützer sprechen von einem "historischen Erfolg": Tübinger Forscher haben ihre Versuche an Affen endgültig eingestellt. Allerdings wollen sie mit anderen Tieren weiterarbeiten.

"Wir bestätigen, dass die Affenversuche endgültig beendet sind und wir keine Affen mehr haben", teilte eine Sprecherin des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen mit. Der Verbleib der Tiere blieb zunächst unklar. Die Sprecherin machte dazu keine Angaben.

2016 hatte das Institut angekündigt, für die Affen "nach geeigneten aufnehmenden Einrichtungen im wissenschaftlichen Bereich" zu suchen. Wie das "Schwäbische Tagblatt" berichtet, waren zuletzt zehn Affen bei den Wissenschaftlern in Tübingen. Die Zeitung berief sich auf Angaben des Regierungspräsidiums, das die Tierversuche genehmigt hatte.

Die Forscher hätten in den vergangenen Tagen noch Experimente an einem Affen durchgeführt, schrieb das "Schwäbische Tagblatt" weiter. Der Primat sei danach getötet worden. Das hatte das Institut bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Demnach wollten die Wissenschaftler noch "letzte Studien" beenden. "Ein Teil der Tiere" sollte anschließend eingeschläfert werden.

Bislang Tierversuche verteidigt

Das Institut hatte die Versuche an den Affen damals verteidigt. Die Forschungen würden dabei helfen, Krankheiten wie Epilepsie, Autismus, Depression, Alzheimer, Parkinson oder Demenz irgendwann behandeln zu können. "Ohne Primatenversuche gibt es nicht den Bruchteil einer Chance, diese Krankheiten überhaupt nur ansatzweise zu verstehen", sagte Institutsleiter Nikos Logothetis 2016 unserer Redaktion.

Tierschützer hatten die Versuche an den Affen trotzdem kritisiert. Sie riefen regelmäßig zu Demonstrationen und Mahnwachen auf. Auslöser war ein heimlich aufgenommenes Video gewesen: Ein Pfleger hatte im Herbst 2014 die Affenversuche sowie die Haltung der Tiere heimlich gefilmt — das Video wurde veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigten Primaten mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hatte einen blutverschmierten Kopf, einem anderen lief Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Das endgültige Ende der Versuche sei ein "historischer Erfolg für den Tierschutz in Deutschland", sagte nun Friedrich Mülln, Vorsitzende des Vereins Soko Tierschutz.

Tierschützer hatten immer wieder gegen die Versuche an Affen am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen demonstriert (Archivbild). Foto: dpa, latz lof lwst

Die Tübinger Forscher werden allerdings nicht komplett auf die Arbeit mit Tieren verzichten. Bereits 2016 hatte das Max-Planck-Institut angekündigt, künftig "ausschließlich an Nagetieren zu forschen".

In NRW steigt die Zahl der Tierversuche

Unterdessen ist die Zahl der Tierversuche in Nordrhein-Westfalen gestiegen. Wie die Organisation Ärzte gegen Tierversuche am Mittwoch in Köln mitteilte, wurden im Jahr 2015 rund 432.000 Tiere in Versuchen eingesetzt, etwa 25.000 mehr als im Jahr davor. Bundesweit wurden 2015 an rund 2,8 Millionen Tieren Versuche durchgeführt. Mit einem Anteil von 15,4 Prozent belege NRW erneut den zweiten Platz in der "Negativrangliste" nach Baden-Württemberg (16,48 Prozent), berichtete die Organisation unter Berufung auf Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Die Ärzte-Vereinigung geht davon aus, dass es eine Dunkelziffer gibt und die tatsächlichen Zahlen um das 2,5-fache höher liegen. Am 24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche.

(wer/dpa)
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