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Berliner Charité: Toter liegt tagelang auf Kliniktoilette

Berliner Charité : Toter liegt tagelang auf Kliniktoilette

Berlin (RPO). Auf einer Besuchertoilette in der Berliner Universitätsklinik Charité ist eine schon teilweise verweste Leiche entdeckt worden. Die Charité erklärte, bei dem Toten handele es sich um einen Mann, der am 6. März auf dem Klinikgelände gefunden und in die Notaufnahme gebracht wurde. Fast eine Woche später wurde seine Leiche in einer öffentlich zugänglichen Besuchertoilette entdeckt. Warum der Tote nicht früher auffiel und woran er starb, ist noch unklar.

Am Tag der Untersuchung in der Notaufnahme sei der Patient ansprechbar gewesen und sein Kreislauf stabil, "nur in etwas agitiertem Zustand", hieß es. Er habe ein Spritzenbesteck bei sich gehabt, das ihm abgenommen worden sei.

Der Mann habe sich gegen den Transport in die Notaufnahme gewehrt und nach der Ankunft dort eine weitere Behandlung abgelehnt. "Nach etwa zehn Minuten Aufenthalt verließ er selbstständig die Innere Notaufnahme", erklärte die Klinik weiter. "Da eine akute Vitalgefährdung zu diesem Zeitpunkt sicher auszuschließen und die Geschäftsfähigkeit ausreichend gegeben war, wurde keine polizeiliche Suche veranlasst."

Tür war von innen verriegelt

Die Toilette hätte eigentlich jeden Tag gereinigt werden sollen. Warum dies unterblieb, solle die zuständige Reinigungsfirma nun klären, sagte eine Kliniksprecherin. Da die Toilette von innen verschlossen war, hätten die Putzkräfte womöglich gedacht, sie sei besetzt. Wegen Personalwechsels könnte dies tagelang nicht aufgefallen sein, mutmaßte die Sprecherin.

Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" war der Mann 29 Jahre alt und stammte aus Dresden. Das Klinikpersonal habe die Polizei wegen des strengen Geruchs alarmiert, der von der Toilette her kam. Die Staatsanwaltschaft veranlasste eine Obduktion, wie Sprecher Michael Grunwald sagte.

In den vergangenen Jahren hat es mehrere ähnlich mysteriöse Fälle gegeben. So wurde Ende Dezember in Weimar die Leiche einer 20-jährigen Psychiatriepatientin ebenfalls auf einer Kliniktoilette gefunden. Im August 2007 war im Keller der Berliner Charité eine verweste Leiche gefunden worden. Im Berliner Vivantes Klinikum Neukölln verschwand im Juni 2006 ein demenzkranker Patient und wurde erst rund eine Woche später tot in einem Technikraum entdeckt.

(AP)