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Mutter verhaftet: Tote Babys lagen wohl 20 Jahre in Kühltruhe

Mutter verhaftet : Tote Babys lagen wohl 20 Jahre in Kühltruhe

Siegen (RPO). Grausiger Fund im sauerländischen Wenden: Beim Pizzaholen entdeckte ein 18-Jähriger drei Babyleichen in der Tiefkühltruhe. Vermutlich seine eigenen Geschwister. Nach ersten Erkenntnissen könnten die Leichen dort schon 20 Jahre lang gelegen haben. Die Mutter wurde am Montag verhaftet.

Das Amtsgericht in Siegen hat am Montag Haftbefehl gegen die 44-Jährige erlassen. Es bestehe in einem Fall Verdacht auf Totschlag, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen. Bei den beiden anderen Fällen sei offen, ob die Taten möglicherweise verjährt seien.

Die Leichen der drei Babys waren über viele Jahre in der Tiefkühltruhe einer Familie im sauerländischen Wenden-Möllmicke versteckt gewesen. Sie kamen zufällig zum Vorschein, als der 18-jährige Sohn eine Pizza suchte. Unter dringendem Tatverdacht wurde die 44-jährige Mutter festgenommen, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die Hausfrau, die drei erwachsene Kinder hat, soll die anderen drei Schwangerschaften Ende der 80er Jahre vor ihrer Familie und den Nachbarn verheimlicht haben.

Ob Verbrechen vorliegen, sollen die für Dienstag geplanten Obduktionen in der Rechtsmedizin in Dortmund klären. Die Tatverdächtige habe in ihren ersten von Weinkrämpfen unterbrochenen Aussagen mehr oder weniger eingeräumt, die Kinder zur Welt gebracht und später in der Tiefkühltruhe abgelegt zu haben, sagte Kriminalhauptkommissar Martin Feldmann. Sie stehe unter Schock und befinde sich in psychiatrischer Behandlung.

Sohn fand Leichen beim Pizzaholen

Am Sonntag stellte die Tochter die Eltern zur Rede und fuhr schließlich mit ihnen zur Polizei. Die Ermittler durchsuchten daraufhin die Truhe. In einem der Beutel lag eine Zeitung von Dezember 1988. Laut Polizei handelte es sich um Einzelgeburten und nicht um Drillinge.

Familie hatte Schwangerschaften angeblich nicht bemerkt

Der Leiter der Mordkommission, Herbert Fingerhut, sagte, der Ehemann und die Kinder hätten ausgesagt, sie hätten von den Schwangerschaften nichts bemerkt. Die geschockte Familie werde nun psychologisch betreut. Diese habe in ganz normalen, gutbürgerlichen Verhältnisse gelebt - die Mutter Hausfrau, der 47-jährige Ehemann Elektriker, zwei Söhne im Alter von 18 und 23 Jahren wohnen noch im Haus, die Tochter studiere.

Unterdessen teilte die Polizei in Dresden mit, dass der am Samstag am Straßenrand in Frauenhain tot aufgefundene neugeborene Junge gewaltsam ums Leben kam. Das Kind habe etwa eine halbe Stunde gelebt. Die Polizei schloss nicht aus, dass es aus einem fahrenden Auto heraus in den Straßengraben geworfen wurde. "Der Tod trat ein durch fehlende intensivmedizinische Behandlung, durch Kälte und stumpfe Gewalt", sagte der Leiter der Mordkommission, Volker Wichitill.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei findet drei Babyleichen in Tiefkühltruhe

(ap)