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Todesfall auf der Gorch Fock - Vater von Jenny Böken stellt Anzeige

Todesfall auf der „Gorch-Fock“ : Vater von toter Kadettin stellt Anzeige wegen Tötungsdelikt

Vor zwölf Jahren ertrank Marinekadettin Jenny Böken bei einem Übungseinsatz an Bord des Segelschulschiffs „Gorch Fock“. Der Fall machte damals Schlagzeilen. Ihr Vater glaubt, dass seine Tochter getötet wurde. Nun hat er Anzeige gestellt.

Zwölf Jahre nach dem Tod der Marinekadettin Jenny Böken an Bord des deutschen Segelschulschiffs "Gorch Fock" in der Nordsee hat deren Vater bei der Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Aurich eine Strafanzeige gestellt. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, geht die Anzeige von einem Tötungsdelikt aus, richtet sich aber gegen Unbekannt. Es sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dabei werde zunächst geprüft, wer dafür zuständig sei.

Die Offiziersanwärterin war im September 2008 bei einer Nachtwache 15 Kilometer vor der niedersächsischen Nordseeinsel Norderney ins Wasser gestürzt und ertrunken. Die Staatsanwaltschaft in Kiel, dem Heimathafen der "Gorch Fock", kam im Rahmen ihrer Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass von einem tragischen Unglücksfall auszugehen sei. Sie schloss ihre Ermittlungen ursprünglich bereits 2009 ab.

Die Eltern bezweifeln einen Unglücksfall und bemühen sich seither immer wieder um neue Ermittlungen. Im vergangenen Jahr nahm die Kieler Staatsanwaltschaft die Ermittlungen offiziell wieder auf, nachdem eine angebliche Zeugin mit Äußerungen zu vermeintlichen Vorgängen bei einer früheren Feier in Erscheinung trat, die ein mögliches Motiv für ein Verbrechen an Böken hätten sein können.

Gemeinsame Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und die Mordkommission der Kieler Polizei wurden nach einigen Monaten erneut eingestellt. Diese bewerteten die Aussagen der angeblichen Zeugin, die laut Behörden außerdem nur auf Hörensagen basierten, als unglaubwürdig. Unter anderem standen diese im Widerspruch zu Aussagen einer anderen Zeugin.

Nach Angaben der Auricher Staatsanwaltschaft begründet der Vater der Verstorbenen seine Anzeige damit, dass sich das Geschehen in dem Zuständigkeitsbereich der Behörde ereignete. Es habe sich damals in der Zwölf-Seemeilen-Zone vor Norderney abgespielt, die zum Landkreis Aurich gehört. Die Staatsanwaltschaft erklärte weiter, im Rahmen des eingeleiteten Verfahrens werden zuerst geprüft, wer "von Amts wegen" zuständig sei.

bro/cha

(th/AFP)